Der Apollonia-Prozess und die Online-Presse-Archive

Aktuell hatte sich der Bundesgerichtshof erneut mit der Frage der Zulässigkeit des Bereithaltens von zeitgeschichtlich bedeutsamen, den Täter namentlich nennenden Prozessberichten über ein Kapitalverbrechen in dem Online-Archiv einer Zeitschrift zu befassen. Anlass war diesmal allerdings nicht die Berichterstattung über dem Sedlmayr-Mord, sondern der “Apollonia-Prozess” aus den 80er Jahren:

Das Magazin “Der Spiegel” berichtete in den Ausgaben vom 22. November 1982, 3. Januar 1983 und 14. November 1983 über den “Apollonia-Prozess”. Der jetzige Kläger war angeklagt, am frühen Abend des 13. Dezember 1981 an Bord der Yacht “Apollonia”, die sich mit Kurs Karibik auf hoher See befand, zwei Menschen erschossen und einen dritten schwer verletzt zu haben. Deshalb wurde er vom Landgericht Bremen wegen Mordes in zwei Fällen und wegen versuchten Mordes in einem Fall zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. In dem letzten Artikel wird über das Revisionsverfahren berichtet, in dem der Bundesgerichtshof die Revision des Klägers gegen seine Verurteilung verworfen hat.

Ab April 1999 erstellte die Beklagte unter “www.spiegel.de” ein im Wesentlichen kostenloses Online-Archiv, in welchem bis zum Jahr 2002 auch die vorgenannten Artikel zum Abruf bereitgestellt wurden. Bei der Eingabe des vollen Namens des Beklagten werden – auch über “Google” – die vorgenannten Berichte an den ersten Stellen angezeigt.

Im Jahr 2001 erschien das Buch “Logbuch der Angst – Der Fall der Apollonia” von Klaus Hympendahl. Im Jahr 2004 brachte die ARD den Fall als Fernsehspiel unter dem Titel “Mord in der Karibik – Die Todesfahrt der Apollonia” in der Reihe “Die großen Kriminalfälle”. Zeitungsberichte über die Fahrt der Apollonia gab es bis in das Jahr 2008. In allen diesen Veröffentlichungen wurde der Name des Klägers allerdings nicht genannt ...

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