Fortbildung der Extraklasse: Wie aus 330 Euro Verspätungsschaden ganz schnell 240.000 Euro werden können

Jedes Jahr nehme ich mir vor, frühzeitig die Pflichtfortbildung gem. § 15 FAO zum Erhalt des Fachanwaltstitels zu absolvieren, um gegen Jahresende nicht in zeitliche Verdrückung zu geraten, aber wie zumeist ist mir das auch 2012 nicht gelungen. Früher bin ich selbst bisweilen als Dozent aufgetreten, aber das habe ich den letzten Jahren wegen der damit verbundenen Vorbereitungszeit einfach nicht mehr geschafft. Zu viele – zumeist auswärtige – Hauptverhandlungen, zu viele Umfangsverfahren…

Ich hatte mich für dieses Wochenende kurzfristig zu einem Seminar der DAA zum Steuerstrafrecht in Düsseldorf angemeldet und war bei widrigen Witterungsverhältnissen ohne große Erwartungen dorthin gefahren. Aber was die Kollegen Dr. Hilmar Erb und Thomas Wenzler boten, war wirklich praxisorientierte Fortbildung der Extraklasse. Im unterhaltsamen Dialog und anhand von tatsächlichen Fällen wurden Grundlagen und neuere Entwicklungen im Steuerstrafrecht dargeboten, und nach meinem Eindruck waren auch die überwiegend fachkundigen übrigen Seminarteilnehmer, darunter auch etliche Nur-Steuerberater, ziemlich angetan.

Da wurde gleich zu Beginn ein Fall referiert, der es in sich hat. Ein mittelständisches schwäbisches Unternehmen war mit der Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung in Verzug geraten, die bereits verlängerte Frist lief am 31. Januar ab. Der Steuerberater hatte am Tage des Fristablaufs mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt telefoniert und gefragt, ob auf Verspätungszuschläge verzichtet werde, wenn die Steuererklärung ein paar Tage später komme. “Das passt schon..”, habe die Antwort gelautet. Die Umsatzsteuererklärung, die zu einem Nachzahlungsbetrag von 680.000 Euro führte, wurde am 03. Februar beim Finanzamt eingereicht, also 3 Tage verspätet. Aber wie gesagt, “Das passt schon” hatte der Sachbearbeiter gesagt ...

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