Der “Das kann ich auch ohne Verteidiger”-Trugschluß

Wer zivilrechtlich verklagt wird, der wendet sich häufig in der Erkenntnis, daß ein Rechtsanwalt seine Interessen deutlich besser vertreten können wird als er selbst, an einen solchen. Das wird nicht in allen, sicherlich aber vielen Fällen zutreffen.

Im Strafrecht ist diese Erkenntnis nicht gar so verbreitet. Viele Angeklagte – gerade im Jugendstrafrecht – beschließen, ihre Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Auch das muß nicht schädlich sein. Nicht selten wird dann allerdings später doch noch ein Anwalt hinzugezogen, der die Scherben aufkehren darf, die dieses Vorgehen hinterlassen hat.

Beispiel gefällig? Ein Mandant sollte zu einer Körperverletzung “psychische Behilfe” geleistet haben. Im Strafverfahren “verteidigte” er sich selbst, was gleichbedeutend war damit, die mahnenden Worte des Richters zur Kenntnis zu nehmen und den ihm vorgehaltenen Strafvorwurf einzuräumen. Ja, er sei am Tatort gewesen, habe sich aber nicht getraut, einzugreifen, da die Beteiligten größer und stärker als er waren. Die Voraussetzungen der psychischen Beihilfe waren dem Mandanten ersichtlich nicht bekannt.

Es folgte eine Verurteilung wegen (psychischer) Beihilfe zur Körperverletzung. Die Strafe fiel moderat aus. Rechtsmittel legte der Mandant nicht ein ...

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