Mangelnde Krankheitseinsicht

Ich habe einen Mandanten, der sitzt seit nunmehr knapp zehn Jahren in der psychiatrischen Unterbringung. Dieser Mandant hat unstreitig niemals einen anderen Menschen an Leib oder Leben geschädigt, er hat - wenn überhaupt - allenfalls Vorbereitungshandlungen zu Straftaten und einige Bagatelldelikte begangen. Ein knapp hundert Seiten starkes Gutachten hat ihm seinerzeit attestiert, an einer relativ unklar definierten Persönlichkeitsstörung zu leiden, aber keine Gefahr für die Allgemeinheit zu sein. In der mündlichen Verhandlung hatte der Gutachter diese Einschätzung dann spontan geändert; schriftlich begründet hat er das - trotz entsprechender Aufforderung durch das Gericht - nie. Seither sitzt der Mandant in der geschlossenen Psychiatrie. Rechtsgrundlage ist § 63 StGB, den Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung anlässlich des Falles Mollath auseinander nimmt, wenn auch meines Erachtens etwas zu zögerlich. Gefunden hat den § 63 StGB Anfang der Siebziger Jahre Rolf Bossi anlässlich der Verteidigung des Serienmörders Jürgen Bartsch. Davor hatte diese Norm ein weithin unbeachtetes Schattendasein geführt, bis Kollege Bossi ihn für seinen Mandanten "entdeckte", um diesen vor dem Gefängnis - damals noch "Zuchthaus" - zu bewahren. Ein großer Sieg für den Kollegen Bossi, ein Pyrrhussieg für alle, die seither in den zweifelhaften Genuss der Unterbringung gekommen sind ...Zum vollständigen Artikel


  • Fall Mollath – Die Psychiatrie, der dunkle Ort des Rechts

    sueddeutsche.de - 8 Leser - Seit fast sieben Jahren ist Gustl Mollath in der Psychiatrie, weil die bayerische Justiz ihn für unzurechnungsfähig und gemeingefährlich hält. Der Fall zeigt: Eine Justiz, die Menschen ohne gründlichste Prüfung einen Wahn andichtet, ist selbst wahnsinnig.

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