Rache und Abwägung (wie man seinen Arbeitgeber korrekt verpfeift)

Das LAG Köln dringt derzeit wieder in Presselandschaft vor (durch die Pressemitteilung, dass die Urteilsgründe für das Urteil vom 05.07.2012 – 6 Sa 71/12 jetzt vorliegen). Die Schlagzeile der LTO („Anzeige der Eltern beim Jugendamt ist Kündigungsgrund“) ist dabei noch diejenige, die den Fall am ehesten trifft, bei der ZEIT („Kündigung nach Anzeige gegen Chef zulässig“) klingt es schon mächtig pauschal. Es ist ein sog. Whistleblowing-Fall: Arbeitnehmer zeigt Arbeitgeber an und fliegt deshalb raus (siehe hier zu helvetischem Whistleblowing).

(Liz Collet hat auch drüber geschrieben, aber ich weine deshalb nicht; denn sie hat keine Moralpredigt an unverhältnismäßig agierende Arbeitnehmer verfasst, das kann ich jetzt machen…das Urteil hat außerdem so große Signalwirkung, dass es ruhig verbreitet werden soll!)

Man denkt da immer an Leute, die fiese Machenschaften in großen Unternehmen mutig aufdecken und dafür rausfliegen. Manches Mal ist die Machenschaft nicht fies oder gar nicht da, dann ist der Rauswurf meist erfolgreich.

Hier aber hatte der Arbeitgeber nur eine einzige Mitarbeiterin: Sie war Haushälterin beim (mutmaßlich betuchten) Ehepaar X. In der Probezeit flog sie. Ihre Retourkutsche: Anzeige beim Jugendamt; die Eltern würden ihre Tochter verwahrlosen lassen. Die Eltern kündigten darauf nochmals fristlos. Zu Recht, schriebt das LAG Köln in seiner Pressemitteilung. Auch nach der Rechtsprechung des EGMR (der die harsche deutsche Haltung kritisiert hatte) muss sich der Arbeitnehmer gut überlegen, ob es einen echten Anlass gibt (hier übrigens konnte das Jugendamt absolut nichts feststellen). Die Anzeige nach außen muss das letzte Mittel sein. Hier handelte es sich zudem wirklich bloß um eine Retourkutsche. Die Dame hat ihre Job völlig zu Recht eingebüßt ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK