GETZ: Potemkinsches Zentrum

GETZ-Start: Terrorismusabwehr spielen

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Gründung des „Gemeinsamen Extremismus und Terrorismus-Abwehrzentrum“ beim Bundesamt für Verfassungsschutz am vergangenen Donnerstag war eine Show-Veranstaltung, die man in Anbetracht der 10 Toten durch die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ nur geschmacklos nennen kann. Der Aktionismus um Das Zentrum zeigt wie hilflos die Politik vor der Reform der deutschen Sicherheitsarchitektur steht.

Uns Journalisten wurde ein langer Konferenzraum mit dickem bordeauxroten Teppichboden präsentiert, an dem einige Pappschilder mit dem neuen Namen des GETZ prangten. Ein Viertel des Raumes war durch eine dicke Kordel abgetrennt, hier durften wir uns frei bewegen. Im restlichen Teil des Raumes saßen hochkarätige Kriminalbeamte und Verfassungsschutz-mitarbeiter, je ein Agent des Bundesnachrichtendienstes und des MAD sowie ein Oberstaatsanwalt der Bundesanwaltschaft – und zwar jeweils vor ausgeschalteten Computern. Sie dienten schlicht als Staffage für den Bundesinnenminister, der sich erkennbar bemühte, Dynamik zu verbreiten. Richtig unwohl schien es den Vertretern von BND und MAD zu sein. Sie hatte man an das Ende des Katzentischs gesetzt (siehe Foto), gleich neben den Vertreter des Generalbundesanwalts. Ob der Verfassungsschutz meine Großtante Lore kennt? Von ihr kann man lernen, wie subtil man mit einer Sitzordnung Signale senden kann.

Einige der Statisten trugen es mit Fassung, andere fixierten angestrengt ihre Fingernägel – oder erledigten Aktenmappen. Doch am Kopf, zwischen Bundesinnenminister, BKA- und Verfassungsschutzpräsident herrschte betonte Dynamik, eine Lagebesprechung wurde gespielt. Mit Texten die so bemüht und hölzern wirkten, dass sie fast echt gewesen sein können ...

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