Einige Gedanken zum Zeitungssterben

Dies ist die Woche, in der wir begreifen, dass das Zeitungssterben eine Tatsache ist und nicht nur eine apokalyptische Vision irgendwelcher Internetgurus. In die Trauer um die Frankfurter Rundschau mischt sich bei vielen aber auch eine gewisse Herablassung: Na ja, die alte FR, furchtbar traurig natürlich, aber wenn man sich anschaut, wie diese einst so ruhmreiche Zeitung zuletzt gemacht wurde, ist das doch eigentlich kein Wunder. Das war ja schon lange nichts Gescheites mehr.

Aus dieser Perspektive wird aus der bitteren Erfahrung der Unausweichlichkeit des Zeitungssterbens das genaue Gegenteil, ein beinah angenehmer Vorgang, der die gute alte Journalistenwelt, wie wir sie kennen, kraftvoll zu bestätigen scheint: So wie die FR darf man es halt auch nicht machen! Hätten sie halt wieder eine tolle Zeitung gemacht, mit vielen guten Autoren und aufregenden Texten, dann wäre die FR bestimmt nicht pleite gegangen.

In Wahrheit ist es doch umgekehrt: Weil sie pleiteging, konnte sie keine tolle Zeitung mehr sein.

Die “tolle Zeitung” von früher

Die “tolle Zeitung”, wie die meisten von uns sie von früher kennen und lieben, mit der wir politisch sozialisiert wurden und die wir bereits jetzt – von wenigen, die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen – eigentlich nirgends mehr finden, war eine ungeheuer aufwändige Veranstaltung. Die Hundertschaften bestens ausgebildeter und hoch bezahlter Redakteure, die hoch spezialisiert in ihren Berichtsfeldern eine Expertise entwickeln konnten, der sich mit jedem messen konnte – das war ein Luxus, den irgendwer bezahlen musste. Und wer war das?

Nur zum geringeren Teil wir Leser. Auf solchem Niveau über byzantinische Ikonenmalerei und die Hintergründe des Ölpreisverfalls lesen zu können, war uns zwar sehr lieb, aber relativ wenig teuer. Unsere Abos deckten nicht einmal die Hälfte der Kosten. Den Rest, und die üppigen Gewinne der Verleger obendrein, zahlten die Anzeigenkunden ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK