Zur Wirksamkeit der Bevollmächtigung des Strafverteidigers durch einen Jugendlichen, gegen den die Eltern Strafanzeige erstattet haben

Da stand vor einigen Tagen ein 16-jähriger Gymnasiast vor mir, der ohne Voranmeldung in der Kanzlei erschienen war und nach einem Anwalt gefragt hatte. Seit Jahren werde er von seinen Eltern misshandelt, schilderte er mir, und seit etwa einem Jahr wehre er sich und schlage auch schon mal zurück. Er sei jetzt stark genug, es mit seinem Vater aufzunehmen, obwohl der deutlich größer sei als er und ca. 100 Kilo wiege. Seine jüngeren Geschwister würden von den Eltern auch misshandelt, das Jugendamt wisse Bescheid, unternehme aber nichts Nennenswertes. Dort habe man ihm dringend davon abgeraten, gegen die Eltern Strafanzeige zu erstatten, dadurch würden die Familienbande irreparabel zerstört. Am Tag zuvor sei es erneut zu einer Auseinandersetzung mit den Eltern gekommen, Nachbarn hätten die Polizei gerufen und seine Eltern hätten vermutlich Strafanzeige gegen ihn erstattet. Er wolle jetzt einen Anwalt mit seiner Verteidigung beauftragen und wohl auch Strafanzeige gegen die Eltern erstatten. Seit gestern halte er sich bei einem Freund auf, nachhause wolle er auf keinen Fall mehr.

Da stellen sich (neben der Tragik des Falles und der Frage, ob die Sachverhaltsdarstellung denn zutreffend ist) gleich eine Reihe von rechtlichen Fragen. Kann ein 16-Jähriger ohne Zustimmung seiner Eltern überhaupt wirksam einen Verteidiger bevollmächtigen? Falls ja, kann er auch wirksam eine Honorarvereinbarung abschließen? Müssen gegebenenfalls die Eltern für die Anwaltskosten aufkommen? Kann der Anwalt von dem Jugendlichen wirksam beauftragt werden, gegen die Eltern Strafanzeige zu erstatten?

Hier ein paar Anmerkungen zur Rechtslage:

Nach allgemeiner Auffassung kann ein Jugendlicher selbst einen Verteidiger wählen, wenn gegen ihn ein Verfahren eingeleitet wird ...

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