Wen ich für rechtsradikal halte, den darf ich auch rechtsradikal nennen

“Ich habe nichts gegen Juden, viele meiner besten Freunde sind Juden.” Wer diese Worte spricht, gibt in neun von zehn Fällen gleich als nächstes etwas knallhart Antisemitisches von sich. Meistens kommt dann im nächsten Satz irgendwas über die amerikanische Ostküste, über die Nazihaftigkeit der israelischen Besatzungspolitik in Palästina, über das jüdische Talent im Umgang mit Geld oder dergleichen. Und zum Abschluss, mit einem gewissen triumphierenden Bibber in der Stimme: “Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.”

Es gehört zu den Erstaunlichkeiten des Phänomens Antisemitismus, wie viele Antisemiten der festen und lauteren Überzeugung sind, dass sie alles sind, nur keine Antisemiten. Wenn mich so jemand nun verklagt und fordert, ich dürfe ihn nicht einen Antisemiten nennen, kann er mir das dann verbieten?

Zumindest in Nordbayern kann er das offenbar. Das lässt ein Fall vermuten, der einer heutigen Kammerentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zugrundeliegt.

Ein Rechtsanwalt hatte einen anderen u.a. wegen dieses hübschen Stücks Verschwörungstheorie als rechtsradikal bezeichnet. Darin steht – in aktuell im Netz zu findenden Versionen ist die Parenthese getilgt – diese Passage:

Bis heute sind es aber zumeist die superreichen Familien Englands, Frankreichs und Hollands – größtenteils khasarische, also nicht-semitische Juden -, die das Wirtschaftsgeschehen in der Welt bestimmen. Es sind diese europäischen Finanzoligarchen, die in Wahrheit hinter der amerikanischen Wirtschaft stehen und die sich regelmäßig und höchst klandestin in ominösen Zirkeln [Trilaterale, Bilderberger-Konferenz, Atlantische Brücke, Council on Foreign Relations (CFR) und etwa 100 weiteren Bünden und Logen] treffen und untereinander absprechen ...

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