In Deutschland darf man Holocaust-Missbrauch verbieten – woanders nicht?

Tierschützer haben kein Recht darauf, den Holocaust für ihre Kampagnen einzuspannen. so hatten es die deutschen Instanzgerichte gesehen, so hat es das Bundesverfassungsgericht gesehen, und so sieht es in seiner heutigen Entscheidung auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.

So sehr ich sonst für eine weite Auslegung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit bin – diese Rechtsprechung geht für mich völlig in Ordnung, im Ergebnis jedenfalls.

Geklagt hatte die Tierschutzorganisation PETA, bekannt für und wegen ihrer hach so tabulosen Aktionen gegen Pelze wie zum Beispiel dieser hier:

2004 hatte PETA die glänzende Idee, eine Plakataktion unter dem Titel “The Holocaust on your Plate” zu starten: Bilder von skelettartig abgemagerten KZ-Häftlingen neben solchen von entsprechend mageren Kühen unter der Überschrift “Walking Skeletons” zum Beispiel. Oder Leichenberge neben Stapeln geschlachteter Schweine unter der Überschrift “Final Humiliation”.

Das ist niederträchtig. Aber warum genau, ist erst mal gar nicht so leicht zu greifen.

Die Aussage ist: Wenn ihr euch über KZs aufregt, dann müsst ihr euch auch über Legebatterien und Schlachthöfe aufregen. Das ist eigentlich nicht unbedingt eine Relativierung des Holocaust oder eine Herabwürdigung ihrer Opfer, schon gar nicht aus PETA-Sicht, die schließlich gerade keinen Unterschied gemacht sehen wollen zwischen der Menschen- und der Tierwürde. Das heißt nicht, Holocaust war nicht so schlimm, sondern Tierfabrik ist genauso schlimm.

Die Gemeinheit liegt woanders: Die Abgebildeten genauso wie die Juden und anderen Völkermordopfer insgesamt werden mit dieser Plakataktion zum Instrument einer Kampagne gemacht, einer politischen zwar, aber einer Kampagne nichtsdestotrotz. Es gibt nichts Schockierenderes wie diese KZ-Bilder, und von dieser Schockwirkung schneidet sich Peta sozusagen eine dicke Scheibe ab und schmiert sie auf ihr eigenes Tierschutzbrot ...

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