Wann steht dem Zeugen ein Beistand zu? Und was geschieht, wenn das Gericht das nicht einsehen will?

Gestern vor einem niederrheinischen Amtsgericht. Meine Mandantin ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie soll einen in ihrem Haus lebenden Mieter, dessen Kind sie seit Jahren im Einvernehmen mit dem Jugendamt betreut, zunächst mit einer großen Taschenlampfe – einer Maglite oder Ähnliches – malträtiert und ihm dann eine kleine Stehlampe mit einem aufgesetzten Glaszylinder auf den Kopf geschlagen haben. Der mitangeklagte Ehemann, der von meinem Kanzleikollegen Felix Menke verteidigt wird, soll später hinzugekommen sein und geschlagen und getreten haben. Die Taschenlampe bestreitet meine Mandantin. Die sei eine Erfindung des Mieters. Mit der Lampe habe sie tatsächlich geschlagen. Das sei aber eine Notwehrhandlung gewesen, weil der Mieter sie nach einer verbalen Auseinandersetzung im Hausflur seiner Wohnung gegen eine Schuhkommode gedrückt und nicht mehr losgelassen habe. Sie habe Angst bekommen, weil der Mann sie mit wutverzerrtem Gesicht angeschaut habe und in Griffweite ein großes Fleischermesser lag. Da habe sie aus Angst und, um der Umklammerung zu entkommen, die auf auf der Kommode stehende Lampe ergriffen und ihm auf den Kopf geschlagen. Danach sei sie in ihre Wohnung geflüchtet. Ihr Ehemann hätte in die Auseinandersetzung nicht eingegriffen (was dieser bestätigt). Grund für die vorangegangene verbale Auseinandersetzung sei gewesen, dass einige Tage zuvor die Reifen ihres Autos zerstochen worden seien. Außerdem habe jemand Bauschaum in den Auspuff gespritzt. Der Sohn des Mieters habe ihr erzählt, das sei der Papa gewesen.

Ich hatte die Einlassung meiner Mandantin schon im Zwischenverfahren schriftlich vorgetragen und auch darauf hingewiesen, dass der Mieter einige Tage vor dem Vorfall wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden sei ...

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