“Rübe ab für dieses geile Schwein, und Ihr, Herr Anwalt, gehört Prügel verabreicht”…

… konnte ich vor einiger Zeit auf einer Postkarte lesen, die mir ohne Absenderangabe in die Kanzlei geschickt worden war. Damals ging es um ein presseträchtiges Missbrauchsverfahren, das weit über die Region hinaus für Furore sorgte. Dem Schriftbild nach dürfte es sich um eine ältere Person gehandelt haben, die mir diese liebevollen Zeilen gewidmet hat, da waren noch Ansätze von Sütterlin-Schrift zu erkennen.

Als mein Sozius Gerd Meister vor einiger Zeit die Verteidigung in dem bundesweit Aufsehen erregenden “Fall Mirko” übernommen hatte, wurde er mehrfach anonym bedroht. “Beim nächsten Mal sind deine Kinder dran”, war in einem Schreiben zu lesen, und am Rande von Demonstrationen, die vor dem Krefelder Landgericht teilweise mit politisch braunem Hintergrund organisiert wurden, gab es böse Worte, die ich hier nicht wiedergeben möchte.

Aktuell verteidige ich vor dem Mönchengladbacher Landgericht wieder in einem Missbrauchsverfahren, das ein erhebliches Medienecho hervorruft, und erneut kommen ähnliche Reaktionen, wenn auch bislang weniger drastisch. “Dieser Vater schändete Tochter (10) für Sexfilme”, hatte Bild in der Düsseldorfer Printausgabe getitelt, und unter dem mit einem Augenbalken nur unvollkommen anonymisierten Bild des Mandanten war ein Foto von mir zu sehen. “Wie kannst du es vertreten, so ein Schwein zu verteidigen?”, fragte mich am Wochenende eine gute Freundin, und anfangs hatte ich fast den Eindruck, sie wolle mir die Freundschaft aufkündigen.

Um es vorweg zu nehmen, ja, ich kann eine solche Verteidigung moralisch durchaus vertreten, sonst würde ich´s ja nicht tun. Niemand zwingt mich, ein Mandat anzunehmen, und selbst eine Pflichtverteidigung könnte ich – wenn sie mir vom Gericht angetragen würde – unproblematisch ablehnen. Verteidigung in Sexualstrafsachen hat in der Öffentlichkeit oft einen Ruch von Käuflichkeit ...

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