Die andere Meinung: Gastkommentar von Jan Kahmann zum Hamburger Piratenprozess

Am Rande des Piratenprozesses habe ich viele Gespräche mit Prozessbeobachtern führen können. Einer davon ist Jan Kahmann, der als ehemaliger Seeleute-Gewerkschafter an fast allen Verhandlungstagen teilgenommen und mir immer wieder mal seine Meinung zu dem Verfahren mitgeteilt hat. Jan Kahmann hat seine Beobachtungen zusammengefasst und mir als Gastkommentar für den strafblog zur Verfügung gestellt. Auch wenn ich nicht alle seine Ansichten teile, erscheint es mir doch wichtig, das Verfahren einmal aus einer anderen Perspektive beleuchtet zu sehen.

Der Hamburger Piratenprozess

Beobachtungen von Jan Kahmann

Am 19.10.2012, fast dreiundzwanzig Monate nach Prozesseröffnung, sprach das Hamburger Landgericht Recht über zehn somalische Piraten. „Im Namen des Volkes“ wurden sieben Piraten zwischen sechs und sieben Jahren, und drei nach dem Jugendstrafrecht zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Es war der Dauer des Verfahrens zu verdanken, dass das Gericht aus dem Kreis der Piraten etwas davon erfuhr, wie sich die Kaperung des deutschen Containerschiffes „Taipan“ am 05.04.2010 im Indischen Ozean abgespielt haben könnte. Einem der Angeklagten platzte am achtundsiebzigsten Verhandlungstag der Kragen. Nach fast eineinhalb Jahren Lügengeschichten in diesem Verfahren wolle er nun aussagen. Sicher hat er nicht nur Wahres gesagt, besonders, wenn es um seine Verstrickung in die Tat ging, die er vermutlich sehr beschönigte.

Ruhig und besonnen führte der vorsitzende Richter durch das Verfahren. Man spürte, dass es ihm wichtig war, den Beschuldigten respektvoll gegenüberzutreten und nicht den Eindruck zu vermitteln, der Prozess werde abgewickelt. Meines Erachtens war das Verfahren ein Beispiel dafür, dass sich Solidität eines Rechtsstaates auch darin zeigt, wie er mit Beschuldigten umgeht, die aus einem Land kommen, das keine Rechtsstaatlichkeit, keine Gesetze kennt, es sei denn, das des Stärkeren ...

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