Rückkehr in ein kaltes Land: Ursula Krechels “Landgericht”

Viel besprochen wurde in diesem Herbst Ursula Krechels Roman “Landgericht“, mit dem die Autorin auch den Deutschen Buchpreis gewann. Die Geschichte des Mainzer Landgerichtsdirektors Dr. Rudolf Kornitzer ist die Geschichte eines jüdischen Emigranten, der 1948 aus dem kubanischen Exil in die Bundesrepublik zurückkehrt – und doch nie ankommt. Kornitzer, 1908 in Breslau geboren und 1933 aus dem Berliner Justizdienst entlassen, kämpft als “Displaced Person” um die Wiederherstellung seiner beruflichen Identität. Doch nicht nur der Kampf um materielle Wiedergutmachung wird zum Kolhaas’schen Drama. Die Familie ist zerbrochen, die von den Eltern 1939 nach England geschickten Kinder sind Kornitzer und seiner Frau Claire entfremdet. Fremd bleibt der Rückkehrer auch in der Justiz: Auf der Richterbank und in den Amtsstuben sitzen Kollegen, die sich im Dritten Reich hochgedient haben und ihre Karriere nach 1945 bruchlos fortsetzen konnten. Für die Erfahrungen und Traumata des Exilanten ist in der Bundesrepublik der fünziger Jahre kein Platz.

Ursula Krechel greift mit ihrem Roman ein Thema der juristischen Zeitgeschichte auf, das von der Forschung längst nicht erschöpfend bearbeitet ist. Ihr Protagonist Kornitzer hat wirklich gelebt, er hieß anders, doch seinen Fall hat sie aus den Akten des Landesarchivs von Rheinland-Pfalz akribisch rekonstruiert ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK