Eine Gewalttat in Berlin und die "Expertenmeinung" der Polizeigewerkschaft

Der Gewaltakt mit tödlichem Ausgang auf dem Berliner Alexanderplatz löst zu Recht Empörung aus. Jede Körperverletzung, jeder Totschlag ist einer zuviel. Er bringt großes Leid über Opfer und Angehörige und muss für sich Beachtung finden, egal was die Statistik sagt. Eine Verallgemeinerung macht das Delikt nicht besser oder schlimmer. Die Bestäigung durch eine Statistik ist nicht erforderlich, die Tat steht für sich.

Geht es aber um kriminalpolitische Reaktionen auf Gewaltdelinquenz, dann spielt nicht nur der Einzelfall eine Rolle, sondern auch die Frage, ob der Fall Symptom ist für eine Entwicklung. In der Wahrnehmung Vieler wird "alles immer schlimmer", und die von der Polizei angefertigte Statistik verspricht Aufklärung darüber, ob dies tatsächlich so ist. Dabei wird der suchende Journalist manchmal fündig, manchmal auch nicht.

Ausschnitt aus SPON:

... die Entwicklung in der Hauptstadt sieht auf dem Papier wenig dramatisch aus. Wie die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin zeigt, ist die Zahl der Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen in der Hauptstadt 2011 um 13,9 Prozent zurückgegangen: 2010 wurden noch 4529 Fälle registriert, 2011 waren es 3899.

Ein Rückgang also, sogar ein ganz erheblicher. Aber er steht nur "auf dem Papier". Wie kann dieser Rückgang in Übereinstimmung gebracht werden mit dem eigenen Eindruck, dass die Hemmschwellen sinken, die Gewalttaten steigen, die Berlinder Straßen immer unsicherer werden? Man frage einen Experten, am besten jemanden von der Polizei. Vielleicht einen Polizeigewerkschafter? Der müsste es doch wissen. Hier die Antwort, im selben SPON-Artikel:

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin bezweifelt allerdings, dass dies auf einen Rückgang der Gewalt zurückzuführen ist ...

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