Harry weiß es einfach besser als jeder Verteidiger: “Dem Richter werde ich es schon beweisen …”

Harry hat meine Erwartungen nicht enttäuscht und mal wieder bewiesen, dass er einfach nicht lernfähig ist. Ein durchaus honoriges Angebot des Amtsrichters, das Verfahren wegen Widerstandsleistung und Körperverletzung gegen eine Arbeitsauflage gemäß § 153a StPO einzustellen, hat er in der Hauptverhandlung abgelehnt und stattdessen weitere Beweisaufnahmen verlangt. Zuvor hatte der Richter ihn darauf hingewiesen, dass immerhin 4 Justizvollzugsbeamte als Zeugen gegen ihn aufgeboten seien, während er – abgesehen von seinem Verteidiger – ganz allein dastehe. Und nach Aktenlage sei zu vermuten, dass die Zeugen ihn nicht unbedingt entlasten würden. Da sei es doch vielleicht sinnvoll, über das Einstellungsangebot nachzudenken. Der Kollege Menke, der Harry als mein Vertreter in der Hauptverhandlung verteidigte, sah das genauso. Und ich hatte Harry schon im Vorhinein geraten, eine mögliche Verfahrenseinstellung auf jeden Fall zu akzeptieren. Aber Harry hat lieber lamentiert. Immerhin machte er es gnädig, wurde mir berichtet, nur eine knappe Viertelstunde dauerten seine Auführungen, dann wurde die Sitzung vertagt. Der Richter will Harrys Beweisanregungen nachkommen, auch wenn man sich davon nicht allzu viel versprechen darf. Neuer Termin von Amts wegen.

Vor ein paar Jahren habe ich Harry in einem Bewährungswiderrufsverfahren vertreten. Gröblich und beharrlich sollte er damals eine Therapieauflage und Kontaktverbote zu bestimmten Personen verletzt haben. Harry bestritt das auch gar nicht. Jedenfalls nicht so richtig. Klar, an der Therapie habe nicht aktiv teilgenommen, weil er nicht therapiebedürftig sei und mit dem Therapeuten auch nicht klargekommen sei. Der verstehe ihn ohnehin nicht und könne ihm auch nicht helfen, weil es schlichtweg nichts zu helfen gehe. Die Auflage sei ein Verstoß gegen seine verfassungsmäßigen Freiheitsrechte ...

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