Rechtsfindung vor und nach dem Mittagessen

Jurys in den USA an der Nase rumzuführen, um dann festzustellen, dass sie höhere Strafmaße verhängen, je dunkler die Hautfarbe ist: Die teils bedrückenden Ergebnisse solcher psychologischer Studien gehören zum juristischen Klippschulwissen auch deutscher Juristen.

Leider beziehen sich viele solcher Untersuchungen auf amerikanische Gerichte, gelegentlich noch auf britische; dabei arbeitet eine der fleißigsten Autorinnen – Birte Englich – auf diesem Gebiet ganz offenbar an der Uni in Köln. Populärwissenschaftlich einarbeiten kann man sich über einen im Februar erschienenen Artikel in „Spektrum“ (Birte Englich und Madleine Bernhardt: “Urteil mit Schlagseite”). Allerdings bleibt – wie schon im Studium – zweierlei kleben: Erstens befassen sich Psychologen fast ausschließlich mit der recht plakativen und begreifbaren Materie des Strafprozesses – dabei ist gesamtgesellschaftlich und wirtschaftlich die Tätigkeit aller übrigen, vor allem der zivilen (und Arbeits-) Gerichte weitaus bedeutender. Zweitens bleibt man unweigerlich bei Anekdoten hängen, etwa der Erkenntnis, dass Richter vor dem Mittagessen ungnädiger sind als danach („A Judgment Call“, The Economist, 6.10.2012) oder, dass Auswürfeln auch nur zu denselben Ergebnissen kommt wie hochbezahlte Richter. Das zuerst genannte Phänomen ist in der Arbeitsgerichtsbarkeit egal, fast alle Termine finden ja vor dem Mittagessen statt ...

Zum vollständigen Artikel

  • A judgment call

    economist.com - They will be kinder when they wake THE best time to come before a judge is never. But courtroom lore suggests that after lunch is better than before it. A study of...

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK