Harry wird den den Richter schon totquatschen, wenn keine Einstellung erfolgt …

Da ich noch bis morgen auf Mallorca bin, muss mich der Kollege Menke heute in einem delikaten Verfahren vor einem niederrheinischen Amtsgericht vertreten. Delikat deshalb, weil es sich um einen sehr speziellen Mandanten handelt. Es geht um eine Widerstandsleistung gegen Vollstreckungsbeamte der besonderen Art, Details kann ich aus Gründen des Mandatsgeheimnisses nicht verraten. Harry S. (Name natürlich geändert) war leicht ungehalten, dass ich nicht persönlich zur Verhandlung komme, obwohl er weder zahlungskräftig ist noch auf mich hört. Ich vertrete ihn schon seit Jahren und bislang hat er sich erfolgreich jedem anwaltlichen Rat widersetzt, was mehrfach zu vermeidbaren ungünstigen Prozessergebnissen geführt hat. Ich habe darüber vor einiger Zeit mal unter dem Titel “Ich schätze Ihre Kompetenz, Herr Anwalt ….. aber ich höre auch diesmal nicht auf Sie!” einen viel gelesenen Blogbeitrag geschrieben. Warum der Mann immer noch zu mir kommt, weiß ich nicht, es ist wohl eine rational nicht zu erklärende Art von Anhänglichkeit. Nicht weniger rational ist allerdings, dass ich mich immer noch breitschlagen lasse, ihn zu vertreten, obwohl ich doch weiß, was da auf mich zukommt.

Harry hat mir vor ein paar Tagen eine achtseitige Stellungnahme zur Anklage zukommen lassen. Er werde sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen und noch zahlreiche Zeugen laden lassen, kündigte er an. In seiner Stellungnahme hat Harry ein paar Dutzend tatsächlicher und vermeintlicher Widersprüche in der Akte und in der Anklageschrift ausgearbeitet, da wurde auf jedes Detail geachtet. Selbst Rechtschreibefehler und unvollständige Sätze, die aber durchaus noch ihren Sinngehalt erkennen lassen, wurden moniert ...

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