Wutanfall des Richters, weil die Verteidigung die Aufgaben der Ermittlungsbehörden nicht frühzeitig erledigt hat. Demnächst wird am Samstag verhandelt…

Fingerabdruck, Urheber: Wilfredor (wikimedia commons)

Das war eine ganz unerwarteter Gefühlsausbruch, den der Vorsitzende Richter einer großen Strafkammer am vergangenen Donnerstag vom Stapel ließ, nachdem meine Mitverteidigerin etliche Beweisanträge gestellt hatte. Das sei eine Unverfrorenheit, die Anträge erst zu diesem Zeitpunkt nach einer monatelangen Beweisaufnahme zu stellen, brüllte er mit reichlich rotem Kopf in den Saal, was eine kaum weniger heftige Reaktion der Kollegin hervorrief, die auf ein spezielles Verhältnis zwischen den beiden Kontrahenten hindeutete.

Was war geschehen? Ich selbst war erst ganz spät, nämlich nach 22 Verhandlungstagen in das Verfahren eingestiegen und hatte als bislang einzigen Akt der Beweisaufnahme noch mitbekommen, wie eine Beamtin des Landeskriminalamtes als Zeugin aussagte, sie und eine inzwischen dienstunfähig erkrankte Kollegin hätten recherchiert, dass es nach der Festnahme der beiden Angeklagten im April 2010 keine vergleichbaren Überfälle auf Supermärkte in Deutschland mehr gegeben habe. Danach hatte die Staatsanwaltschaft plädiert und in einem reinen Indizienprozess 13 Jahre Freiheitsstrafe für beide Angeklagte gefordert, die unter anderem in einer Vielzahl von Fällen jeweils maskiert und mit Pistolen und Vorschlaghämmern bewaffnet das Personal beim Verlassen der Supermärkte nach Geschäftsschluss in den Laden zurückgedrängt und zum Öffnen der Safes gezwungen haben sollen. Aufgrund der Körpergrößenverhältnisse, des südländischen oder osteuropäischen Dialekts, der im Wesentlichen identischen Vorgehensweise und einiger anderer Indizien sei von der Täterschaft der Angeklagten auszugehen, auch wenn diese von niemandem eindeutig identifiziert werden konnten und auch keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an den Tatorten zurückgelassen hätten, hatte die Staatsanwaltschaft argumentiert ...

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