Erste Hilfe, Datenschutz und unterlassene Hilfeleistung - eine wahre Geschichte

Letztes Wochenende am Schwetzinger Bahnhof. Neben mir warten ca. 20 Personen auf den Bus. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich jemand auf den Boden legt. Die umstehenden Menschen weichen zur Seite. Manche steigen in den Bus ein, der gerade vorfährt. Unterlassene Hilfeleistung? Ich finde das komisch und gehe zu der am Boden liegenden Frau, um sie zu fragen, ob sie Hilfe braucht. Sie weint lautlos und presst immer wieder krampfhaft ihren Arm vor den Mund. Aber sie antwortet nicht. Sie schaut mich nicht einmal an. Ich frage sie noch einmal, ob ich ihr helfen könne. Wieder keine Reaktion. Also bitte ich einen der Umstehenden - mittlerweile haben sich doch wieder ein paar Leute neugierig genähert - den Notarzt zu rufen. Die Uhr zeigt 20 nach. Die Frau schnappt nach Luft, ich habe Mühe, sie davon abzuhalten, sich den Mund zuzuhalten. Es sieht alles nach einem epileptischen Anfall aus. Interessant ist die Reaktion der Umstehenden. Von einem Trio mit russischem Akzent wird Hilfe angeboten, eine Jacke, damit die Frau nicht friert. Von einer Familie mit türkischem Akzent kommt eine zweite Jacke. Die, die ohne Akzent sprechen, sagen Sachen wie "die nimmt bestimmt Drogen" oder "die ist bestimmt besoffen". Neugierig geguckt wird trotzdem. Es vergehen die Minuten, die Frau krampft und atmet flach. Ich bitte die türkische Familie, doch einmal in der Handtasche der Frau nachzuschauen, ob sie darin Medikamente gegen Epilepsie oder ein Handy finden. Datenschutz? "Nein, das dürfen wir nicht. Das ist gegen den Datenschutz", wird mir entgegen gehalten. Ich finde es spannend, welche Kapriolen der Datenschutz mittlerweile treibt. Dass er Menschen sogar davor abhält, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, um vielleicht das Leben bzw. die Gesundheit eines anderen zu retten. Dabei ist das Datenschutzrecht in dieser Situation gar nicht anwendbar. Und auch das allgemeine Persönlichkeitsrecht der am Boden Liegenden tritt wohl hinter die Interessen an einer Hilfeleistung zurück ...Zum vollständigen Artikel

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