Gemeinschaft der Steuerzahler oder Gemeinschaft der Gläubigen?

Das Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 26.09. hat Klarheit für die staatliche Seite des Kirchenaustritts geschaffen. Indes geht die Diskussion um die innerkirchlichen Folgen des Kirchenaustritts in der römisch-katholischen Kirche weiter. Der Gastbeitrag von Markus C. Müller befasst sich mit dem weltweiten Unterverständnis für das deutsche Kirchen-steuersystem. „Are you German?“ Ein älterer schwarz gekleideter Herr kommt auf uns zu. Ein mexikanischer Priester. Wie wir hat er den letzten Septembersonntag genutzt, um nach Castel Gandolfo zu fahren. Gemeinsam mit dem Heiligen Vater hatten wir in dessen Sommerresidenz den Angelus gebetet. Immer noch beeindruckt vom charismatischen und zugleich so schlichten Auftritt unseres Papstes, warten wir nun am Bahnhof auf den Zug zurück nach Rom. „German?“ Als ich dies bejahe, entspannt sich ein lebhaftes Gespräch. Adolfo – so heißt der mexikanische Priester – spricht sehr gut Englisch, da er einige Jahre eine spanisch-sprachige Gemeinde in den USA betreut hatte. Er erzählt, dass er erst vor 3 Wochen München besucht habe. Ein schöner Urlaub, aber von der Situation in Deutschland sei er schockiert gewesen. Ob es stimme, dass man in Deutschland zahlen müsse, damit man in die Kirche gehen dürfe, fragt er. Er habe da einen Zeitungsartikel gelesen und habe es einfach nicht glauben können. So gut wie möglich versuche ich die momentane Situation in Deutschland zu erklären, das Kirchensteuersystem, die finanziellen Verflechtungen von Staat und Kirche und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes aus der vergangenen Woche. Ziemlich verständnislos schaut er mich an. Vermutlich denkt er daraufhin, ich nähme ihn gerade auf den Arm. Er erzählt, dass er Kirchenrechtler sei und in Texas am bischöflichen Tribunal gearbeitet habe. Eigentlich kennt er sich also wohl aus mit rechtlichen Fragen. Aber auch all seine Kollegen hätten es gesagt: Was die deutschen Bischöfe da treiben, sei für sie nicht nachvollziehbar ...Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK