Sollen Ghostwriter bestraft werden?

Mitten in der Ferienzeit hat sich der Deutsche Hochschulverband (DHV) mit einem Gesetzesvorschlag zu Wort gemeldet. Als Reaktion auf die zu Guttenberg-Affäre und die dadurch ausgellösten Diskussionen über wissenschaftliche Standards will der DHV unter der Überschrift „Wissenschaftsbetrug“ folgende Tatbestände in das StGB einfügen:Link siehe hier:

(1) Wer eine Qualifikationsarbeit, die der Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, für einen Dritten verfasst, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Wer eine Qualifikationsarbeit im Sinne von Abs. 1, die von einem Dritten ganz oder teilweise verfasst wurde, als eigene ausgibt, ohne deren Urheber zu sein, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Es ist zu begrüßen, wenn kriminalpolitische Vorschläge gleich konkretisiert werden, denn das erleichtert die Kritik. Und wenn man sich im Einzelnen mit diesem Gesetzentwurf auseinandersetzt, wird gleich deutlich, wie schwierig es ist, den Sachverhalt Ghostwriting überhaupt angemessen strafrechtlich zu erfassen und dies im Wortlaut zu formulieren.

1. Die Überschrift ist zumindest irreführend: Es geht gar nicht um das Vermögensdelikt „Betrug“, eine Vermögensverschiebung oder –schädigung, nicht einmal die ökonomische Bereicherung ist Merkmal des vorgeschlagenen Tatbestands.

2. Warum heißt es „für einen „Dritten“? Es müsste wohl heißen „für einen anderen“ (entspr. in Absatz 2 „von einem anderen“).

3. In Absatz 1 bleibt unklar, worin genau die strafbare Tathandlung des Ghostwriters liegen soll – mit Folgen für die Fragen des Versuchsbeginns und der Vollendung. Beim „Verfassen“ der Arbeit „dient“ diese ja noch nicht zugleich zur Qualifikation ...

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