Was studiert der Jurist?

Ein ortsansässiger Juraprofessor stellt im mündlichen Staatsexamen gerne Fragen zu Grundsätzlichem. So etwa diese einfach klingende, aber vielleicht doch nicht so einfache Frage:
Was ist Recht?
Was dann als Antworten kommt, ist meist sehr dürr. Der Professor ist darüber zu Recht erschüttert:
Wie kann man nach vier Jahren Jurastudium Jurist werden wollen, ohne sich jemals gefragt zu haben, womit man sich da eigentlich beschäftigt?
Das kann man, meistens ‚erfolgreich‘. Der Studienplan macht’s möglich. Da finden sich viele verschiedene Fächer; viel Dogmatik, fast nur Dogmatik. Zivilrecht, öffentliches Recht, Strafrecht. Daneben noch ein paar so genannte Grundlagenfächer. Dass man diese nicht gleich als Hilfswissenschaften bezeichnet, ist noch das Geringste. Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie werden stiefmütterlich behandelt und mit einer Vorlesung abgehandelt. Und im Staatsexamen spielen diese Fächer so gut wie keine Rolle. Das Jurastudium konzentriert sich auf die Anwendung des Rechts. Aber lernt man im Studium wirklich Rechtsanwendung? Also wie in der Praxis das Recht angewendet wird? Nein, das lernt der Jurastudent nicht. Da schaut man sich das Gesetz an und dann liest man etwas Schönes heraus. Das wendet man auf den Sachverhalt an (Subsumtion). Das schöne Ideal der Gesetzesbindung (vgl. dazu Walter Grasnick in myops 15/2012, S. 67 ff.). Das hat aber nichts mit der Praxis richterlicher Rechtsfindung zu tun, wie Grasnick beschreibt:
Wenn dieser [der Amtsrichter, RK] überhaupt zu einem Buch greift, dann nicht zu einem aus der Büchersammlung genannt Schönfelder. Sondern zum Palandt oder Fischer.
Wichtiger als Dogmatik oder gar Methodenlehre ist im Justizalltag das Präjudiz. Die justizielle Selbstreferenz ist ausschlaggebend (Grasnick, aaO, S ...Zum vollständigen Artikel


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