Der Nächste, bitte: Europäische Kommission eröffnet Kartellverfahren gegen Gazprom

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Die Europäische Kommission hat die großen Energiekonzerne weiter im Visier: Jüngstes Beispiel ist der russische Energiekonzern Gazprom. Wegen des Verdachts des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung auf den Gasmärkten Mittel- und Osteuropas hat die Kommission am 4.9.2012 ein Kartellverfahren nach Art. 102 AEUV eingeleitet. Gazprom weist die Vorwürfe der Kommission klar zurück und unterstreicht, alle Wettbewerbsregeln einzuhalten

Gazprom ist Russlands größtes Wirtschaftsunternehmen und weltweit der größte Gaslieferant, der allein circa 36 Prozent des europäischen Gasimports abdeckt. Gazprom bietet dabei sein Gas zu sehr unterschiedlichen Preisen an. So ist Gas in Russland beispielsweise zu einem kaum kostendeckenden Preis zu haben, während bestimmte ehemalige Sowjet-Staaten ausgesprochen hohe Preise zahlen müssen. In Ländern mit engen Beziehungen zu Moskau wird das Gas dann wiederum zu sehr vorteilhaften Preisen angeboten. Insgesamt erwirtschaftet Gazprom ca. 60 Prozent seines Gewinns auf dem europäischen Markt.

Die Kommission untersucht jetzt, ob Gazprom seine beherrschende Marktposition bei der Gasversorgung von EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa missbraucht hat. Dem Unternehmen wird insbesondere vorgeworfen, es habe unter Umständen den Transport von Gas in EU-Staaten behindert, den Markt abgeschottet sowie den Kunden nicht gerechtfertigte, unfaire Preise in Rechnung gestellt. Insgesamt seien acht Länder betroffen, darunter Polen und die baltischen Staaten, nicht indessen Deutschland. Allerdings schließen die Brüsseler Wettbewerbshüter nicht aus, dass die Untersuchung auf andere Länder ausgeweitet wird. Die Liste möglicher Wettbewerbsverstöße ist dabei lang. So wird Gazprom vorgeworfen, Gaspreise zu Unrecht an den hohen Ölpreis gekoppelt, den Gastransport in EU-Staaten verhindert und den Markt gegenüber anderen Anbietern abgeschottet zu haben ...

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