Die Rache des Anwalts kommt im Plädoyer …

Strafjustizgebäude des Hamburger Landgerichts

… hat mir mal in meinen jungen Anwaltsjahren ein erfahrener Kollege mit auf den Weg gegeben. Natürlich ist das eine ebenso plakative wie provokative These, aber richtig ist jedenfalls, dass der Schlussvortrag im Strafverfahren der Verteidigung die Möglichkeit gibt, auf das bisherige Prozessgeschehen und auf den Antrag der Staatsanwaltschaft noch einmal final (final jedenfalls in der Instanz) zu reagieren. Gestern haben vier Verteidigerkollegen im Hamburger Piratenverfahren von dieser Gelegenheit ausführlich Gebrauch gemacht und damit dem überaus knappen Ratz-Fatz-Plädoyer der Staatsanwaltschaft Substanzielles entgegengesetzt.

Von halb zehn am Morgen bis um 14:40 am Nachmittag dauerte das in drei Teile aufgeteilte Plädoyer der Verteidigung eines der zehn Angeklagten, unter Abzug der Pausen immerhin rund dreieinhalb Stunden. Das war nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ mehr als nur ein Gegengewicht zu dem 37-minütigen Vortrag der Staatsanwaltschaft, die sich ja nicht nur mit einem, sondern gleich mit allen 10 angeklagten Somaliern auseinanderzusetzen hatte. Macht ja immerhin 3 Minuten und 42 Sekunden pro Angeklagtem, aber das ist reine Statistik und könnte als – vielleicht berechtigte? – Polemik verstanden werden. Außerdem hat sich die Staatsanwaltschaft ja schon vor 8 Monaten in ihrem ersten Plädoyer rund zweieinhalb Stunden lang mit dem Verfahren befasst, das soll nicht verschwiegen werden. Die konkreten Strafzumessungserwägungen beliefen sich damals auch nur auf etwas mehr als 2 Minuten je Pirat, das war aus meiner Sicht ebenfalls eine Meisterleistung in Verknappung. Ich hatte darüber im strablog berichtet ...

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