Aufflackernder Medienhype: Das Hamburger Piratenverfahren marschiert auf den 100. Verhandlungstag zu. Wo liegt der Sinn?

Kommentar zur Strafprozessordnung

In spektakulären Großverfahren ist es zumeist so, dass zu Beginn des Verfahrens und am Ende, wenn es um Plädoyers und Urteilsverkündung geht, von den Medien groß berichtet wird. Zwischendurch flaut das Interesse ab, da gibt es tagesaktuellere Dinge, die zu beleuchten sind. Manchmal gibt es aber doch Anlässe, auch zwischendurch mal wieder an das Verfahren zu erinnern, so wie jetzt im Hamburger Piratenverfahren.

Am Donnerstag wurde zum 96. Mal vor der Jugendkammer des Hamburger Landgerichts im ersten deutschen Piratenprozess seit 400 Jahren verhandelt, und wenn es bei der jetzigen Terminplanung bleibt, dann wird der 12. September 2012 zum Jubiläumstag. 100 Tage Piratenprozess – das ist schon eine Hausnummer.

Über Sinn und Unsinn des Verfahrens und über die explodierenden Kosten, die in die Millionen gehen, ist schon viel geschrieben worden, ich könnte noch Vieles hinzufügen. Wie kann es sein, dass eine Tat, die mit Videoaufnahmen, Fotos und Zeugenaussagen derart gut dokumentiert ist und bei der die Täter mitsamt ihren Waffen auf frischer Tat betroffen und festgenommen wurden, nach bald zwei Jahren Verhandlungsdauer noch immer nicht zu Ende aufgeklärt ist, mag sich der eine oder andere Mitbürger, der als Steuerzahler an der Finanzierung des Verfahrens beteiligt ist, fragen. Hätte man das nicht mit weniger Aufwand bewältigen können?

Ich denke, man hätte! Ich kenne Richter, die jedenfalls versucht hätten, einen kurzen Prozess zu machen. Die manches, was zu den Hintergründen der Tat gehört und diese vielleicht etwas mehr verständlich macht, einfach unter den Teppich zu kehren versucht hätten. Die sich weniger sorgfältig mit den sozioökonomischen und politischen Bedingungen in Somalia, mit den dortigen Clan- und Gesellschaftsverhältnissen und mit den multiplen Ursachen der Piraterie am Horn von Afrika auseinandergesetzt hätten ...

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