Weitere Anekdoten von einer Verteidigerreise nach Bayern. Wollte der Verteidiger eine Gefangenenbefreiung organisieren?

Gefangenentransporter, Foto: Mattes

Vorgestern hatte ich unter dem Titel “Es ist ein Kreuz mit der Staatsanwaltschaft Augsburg” bereits über Besonderheiten aus einem dort anhängigen Strafverfahren im Zusammenhang mit einem europaweit agierenden Umsatzsteuerkarussel berichtet. Jetzt bin ich wieder zurück im Rheinland und habe die weiteren bayerischen Reiseerlebnisse ein wenig sacken lassen.

Nachdem ich bei der Staatsanwaltschaft mit meiner Bitte um Akteneinsicht auf Grund gelaufen war, bin ich ins schöne Landsberg an der Lech gefahren, um mich dort kurz mit anderen Mandanten zu treffen. Die Besprechung wurde dann doch etwas länger und erst gegen Mittag machte ich mich zur Justizvollzugsanstalt Mühldorf am Inn auf, wo mein angeblich hochkarätiger Umsatzsteuersünder einsitzen sollte. Aus einem gewissen Instinkt heraus habe ich von unterwegs aus in der JVA angerufen, um mein bevorstehendes Eintreffen noch einmal anzukündigen. Ob ich denn nicht wisse, dass der Mandant heute nach Kempten im Allgäu verlegt werde, fragte mich ein freundlicher JVA-Beamter. Nein, dass sei mir nicht bekannt, entgegnete ich, und auch anlässlich meines erst wenige Stunden alten Gesprächs mit der Staatsanwaltschaft sei mir nichts entsprechendes mitgeteilt worden. Das verwundere ihn, meinte der Beamte, es handele sich um einen richterlich angeordneten Gefangenentausch, aus Kempten werde ein Insasse nach Mühldorf verlegt und im Gegenzug komme mein Mandant nach Kempten. Der Anwalt des anderen Häftlings sei jedenfalls informiert worden. Wie schön für den anderen Häftling und seinen Anwalt. Ich habe umgehend in meinem Büro angerufen, dort lag bis dato keine Mitteilung über die beabsichtigte Verlegung vor (bis jetzt übrigens auch noch nicht).

Die Polizei werde in den nächsten Minuten eintreffen, um meinen Mandanten abzuholen und via Einzeltransport nach Kempten zu verbringen, wurde mir weiter mitgeteilt ...

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