Bretter, Bretter, Bretter. Nein, wie schrecklich. Das hätte doch jedem von uns passieren können.

Hendrike

Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht? Wenn man als Anwalt einen Freund vertritt, gehen Dinge schief, die sonst nie schiefgehen. Dinge verrutschen. Man trifft auf Zombies, die in der Gestalt eines Staatsanwalts oder Richters auftauchen, denen man sonst zum Glück nie begegnet. Und so bin ich froh, dass es auf den letzten Metern doch noch so gerade gut ausgegangen ist. Halt, was sage ich da? Wie kann man angesichts einer Tragödie von „gut“ sprechen!

Vielleicht lag es daran, dass mein Freund einen Professorentitel trägt und Seniorpartner einer großen internationalen Wirtschaftskanzlei ist. Das mag bei einem Amtsrichter Neid hervorrufen. Vielleicht hatte der Freund aber auch nur das Pech, dass für Straftaten von Anwälten eben besondere Staatsanwälte, zumeist Oberstaatsanwälte, zuständig sind, die sich auf die Verfolgung von Anwälten spezialisiert haben, nicht aber auf das spezielle Delikt, um das es geht. Vielleicht aber wollen weniger selbstbewusste Strafjuristen von vorneherein sich und der Welt beweisen, dass sie keine Krähen sind, sondern andere schräge Vögel, die einem, der das gleiche studiert hat, sehr wohl ein Auge aushacken können, – ja, der vermeintlichen Pflicht schuldend – müssen, und dabei jedes Augenmaß verlieren. Oder habe ich angesichts des Tragischen das meine verloren?

An einem sonnigen Wintertag im letzten Jahr erhielt ich den Anruf meines Freundes, dessen Stimme zitterte, als er mich nach meinem Wohlergehen fragte. Ich fragte zurück und erhielt die Antwort: „Ja, gut. Ich habe – glaube ich – gerade zwei Menschen getötet!“ Noch ehe ich die Bemerkung als einen seiner üblichen Scherze gegenüber einem Strafverteidiger einordnen konnte, fing er am Telefon an zu schluchzen und berichtete von dem schrecklichen Verkehrsunfall. Er sei noch im Krankenhaus. Er sei unverletzt. Er könne sich das nicht erklären. Er habe die Ampel einfach nicht gesehen ...

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