Kurzes Urteil, langer Prozess, echt diskriminiert?

…was den Autor betrifft, ist auch die Lungenentzündung ausgeheilt (vielen Dank für alle guten Wünsche aus dem Leserkreis). Dafür hat die Sommerpause, die auch auf diesem Blog zwangsverordnet war (siehe Lungenentzündung) nun auch auf dem Schlachtfeld der Diskriminierung ein Ende gefunden.

Vielleicht ist Ihnen das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 23. August 2012 – 8 AZR 285/11 (Uch! Schon letzten Donnerstag!) bereits untergekommen. Da geht es um ein einziges, kühles Argument:

Der Bewerber wird nicht eingestellt. Er ist allerdings Jahrgang 1956. In der Stellenanzeige wurden 25-35 Jahre alte Kandidaten gesucht. Der Arbeitgeber entschließt sich nach Abschluss des Verfahrens, niemanden einzustellen. Keinen. Aus.

Ein Selbstläufer für den Kläger, die Anzeige war ziemlich diskriminierend. Wäre da nicht das Problem, das der Arbeitgeber so strapaziert hat: Er hat gar niemanden eingestellt (obwohl auch „Junge“ sich beworben hatten). Wen soll er diskriminiert haben? Es hat ja niemand den Job bekommen!

Das LAG Berlin-Brandenburg hatte das in der Berufung ebenso gesehen, als es am 10.11.2010 – 17 Sa 1410/10 sein Urteil fällte. Man kann das Urteil am hier angegebenen Link nachlesen oder auch gleich hier veröffentlichen. Ja wirklich: Es ist das möglicherweise kürzeste Urteil des LAG in seiner Geschichte (ohne Anspruch auf Verifizierung). Bei der Lektüre ist zu berücksichtigen, dass Ziffer 1 überwiegend Gesetzeswiederholungen und einen Textbaustein enthält, Ziffer 3 zudem ein reiner Textbaustein ist. Die eigentliche Begründung hat daher gerade mal 3 Sätze. Die Gründe lauten – wir haben nicht gekürzt – lediglich:

Die Berufung ist unbegründet.

Das Arbeitsgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen. Dem Kläger steht ein Anspruch auf Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG nicht zu.

1. Beschäftigte können nach § 15 Abs ...

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