Das Meer der Möglichkeiten

Alex Anlicker

Ich schnorchele durch das klare, turkise Wasser und will gar nicht mehr auftauchen. Zwar scheint es nicht mehr viele Fische im Mittelmeer zu geben, aber ich folge den wenigen vor mir mit langsamen Zügen, und weil sie entweder fair oder neugierig sind, lassen sie mich nahe heran, geben die Richtung vor und schwimmen vorsichtig zu mir zurück, ehe sie mich ganz abgehängt haben. Und da schäme ich mich für den kurzen Gedanken an die Harpune, die ich im Tauchergeschäft kurz in der Hand hatte. Die Fische schauen mich aus nächster Nähe aus ihren dunklen Pupillen an und wer weiß, vielleicht spielen sie gerade mit dem Gedanken, mich zu beißen – nur so, um mal zu probieren, wie das sonnengerötete Fleisch dieses merkwürdigen Riesenfisches schmeckt. In Gedanken an Schätzings „Schwarm“ artikuliere ich nuschelnd aber laut das Wort „Harpune“ durch meinen Schnorchel, und die dabei entstehenden Luftblasen verschrecken die Fische für einen Moment. Ich folge ihnen weiter, höre meinen regelmäßigen Atem unter Wasser und denke. Ich denke an …, nein bitte nicht …, mein Büro. Das Wort „Urlaub“ entweicht gluckernd durch die Schnorchelröhre nach oben an die Wasseroberfläche, aber meine Gedanken sind offenbar weniger schreckhaft als die Fische. Sie lassen sich nicht verscheuchen. Und so schwimme ich weiter, vorbei an den riesigen Yachten, die in der Cala vor Anker liegen, hinaus ins tiefer und dunkler werdende Meer. Mit den Menschen ist es wie mit den Fischen, denke ich. Es gibt die verschiedensten Sorten, und ich gehöre eindeutig zu den Improvisateuren, den Nichtplanern oder Chaoten, wie manch einer mich schon bezeichnet hat. Vielleicht liegt es an meinen vom Vater eingepflanzten kölner Genen. Ich stelle mir vor, dass eines Tages mein Foto die Titelseite der Wissenschaftszeitung „Spektrum“ ziert – wie ich so am Strand in Badehose und mit hochgezogener Taucherbrille verunsichert in die Kamera lächele ...

Zum vollständigen Artikel

  • Götz George: Lukrativer Badeunfall

    spiegel.de - 1 Leser - Das Oberlandesgericht München hat in zweiter Instanz entschieden, dass dem Schauspieler nach seinem Badeunfall auf Sardinien Schadenersatz in voller Höhe zusteht. "Schimi" verlangt 1,1 Millionen Mark Schmerzensgeld.

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK