Das doppelte Lottchen oder Who the f… is Bella? (Teil 1)

© bagal / pixelio.de

Bella sass im Coffee-Shop auf der Abflugebene des Airport Berlin-Schönefeld. Die Kellnerin brachte ihr gerade einen doppelten Espresso – nicht den ersten. “Coffein” dachte Bella, “das brauche ich jetzt dringend.” Gleichzeitig saugte sie hektisch am Mundstück der elektrischen Zigarette, die sich vor wenigen Tagen zugelegt hatte, und inhalierte den nikotinhaltigen Dampf tief. Damit könne man sich das Rauchen abgewöhnen, hatte der Verkäufer gesagt, und Bella wollte sich dringend das Rauchen abgewöhnen. Doch der Dampf, den sie jetzt in ihrem Lungen spürte, enthielt zu wenig von dem Gift, an das ihr Körper so gewöhnt war. Wütend zog sie erneut: so frustrierend begann er also, der neue Lebensabschnitt jenseits ihrer besten Jahre…

Bella wollte loskommen von ihren Süchten, und ganz besonders von ihrer Internetsucht. Deswegen hatte sie sich vor einigen Tagen an eine Frau gewandt, die sie auch wieder im Internet kennengelernt hatte – und die über Monate wie einige andere quasi an ihren dort geschriebenen Zeilen geklebt hatte. Diese Dame arbeitete hier auf dem Flughafen, auch wenn sie im Internet einen ganzen anderen Eindruck vermitteln wollte, und hatte ihr das Last-Minute-Angebot besorgt: drei Wochen Türkei all inclusive, aber ohne Notebook, Tablet und Smartphone, drei Wochen ohne Internet, ohne Foren, ohne Pflege ihres virtuellen Alter Egos, ohne Manipulation von anderen Usern.

Ja, auch die Frau vom Flughafen hatte Bella manipuliert, so wie viele andere. Diese Frau wollte sich selbst ein bisschen aufwerten – und diese Schwäche hatte nicht nur Bella schamlos ausgenutzt. Ein bisschen schämte sie sich dafür, aber eigentlich war sie doch eher stolz darauf – es war aber auch so einfach gewesen, nicht nur bei dieser Frau, sondern auch bei vielen anderen. Doch nun sollte es damit vorbei sein. “Ich schaffe das!” dachte Bella, “Aber nicht Alles auf einmal!” und bestellte sich noch einen doppelten Espresso ...

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