Kündigung wegen Marathonlaufs während der Krankschreibung?

Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer ist arbeitsvertraglich dazu verpflichtet, sich nicht genesungswidrig zu verhalten. Darf man während einer Krankschreibung dann an einem Marathonlauf teilnehmen? Über diese Frage hatte vor einiger Zeit das Arbeitsgericht Stuttgart zu entscheiden. Im dortigen Fall hatte der Arbeitnehmer eine Schulterverletzung. Er konsultierte den ihn behandelnden Arzt und fragte diesen, ob eine Teilnahme an zwei Marathonveranstaltungen (die Laufstrecke war sogar noch länger, nämlich 53 km und 50 km) aus gesundheitlichen Gründen unterbleiben müsse oder für ihn bedenkenlos möglich sei. Der Arzt gab insoweit “grünes Licht”. Es sei mit keinerlei Verzögerung des Heilungsverlaufs zu rechnen, der Arbeitnehmer solle die sportliche Betätigung allerdings einstellen, sobald er Schmerzen verspüre. Der Arbeitgeber erfuhr über die Teilnahme seines Mitarbeiters über die lokale Presse. Er kündigte daraufhin den Arbeitnehmer wegen genesungswidrigen Verhaltens.

Das Arbeitsgericht sah dies anders. Nach den Vorgaben des Bundesarbeitsgerichts haben Arbeitnehmer zwar alles zu unterlassen, was ihre Genesung verzögern “könnte” bzw., der Arbeitnehmer dürfe den Heilungserfolg durch genesungswidriges Verhalten nicht “gefährden”. Anders als das Landesarbeitsgericht Hamm soll nach Auffassung der Stuttgarter Richter eine bloße Möglichkeit einer ungünstigen Auswirkung auf den Krankheitsverlauf jedoch nicht ausreichen. Notwendig wäre vielmehr eine konkrete Verletzung der Interessen des Arbeitgebers, welche der Arbeitgeber im Bestreitensfalle zu beweisen hat. Das Gericht stellt dann folgendes fest:

Diese Maßstäbe beachtend, liegt – mangels eines arbeitsvertraglichen Pflichtenverstoßes – ein wichtiger Grund im Sinne von § 626 Abs. 1 BGB nicht vor. Der Kläger hat die Genesung nicht verzögert, was selbst die darlegungs- und beweisbelastete Beklagte auch nicht behauptet ...Zum vollständigen Artikel


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