Die Grenzen der Menschenrechte: Venice Academy of Human Rights 2012

Von CHRISTOPH BRENDEL

Vom 9. bis 18. Juli wurde im alten Kloster San Nicolò auf dem Lido in Venedig über Menschenrechte und ihre Grenzen diskutiert. Die Organisatoren der Sommerakademie hatten hierfür einige große Namen des Völkerrechts und der Politischen Theorie sowie Praktiker im Bereich des internationalen Menschenrechts- bzw. Flüchtlingsschutzes eingeladen – ein Wermutstropfen war die kurzfristige Absage von Seyla Benhabib. Auf die Vorlesungen und Seminare von vier der Vortragenden wird im Folgenden näher eingegangen werden.

Die Kritik: Martti Koskenniemi

Den Auftakt machte Martti Koskenniemi mit einer Vorlesung über Völkerrechtsgeschichtsschreibung und Eurozentrismus – und verschiedene Ansätze, diesem Problem zu begegnen. Damit war bereits der Grundton angestimmt, der sich in der seiner zweiten Vorlesung mit dem Titel „Ten things they don’t tell you about human rights“ fortsetzte. Unverkennbar war hier die Nähe zu David Kennedys Kritik an der Menschenrechtsbewegung, dessen erstes Kapitel in The Dark Sides of Virtue (2004) Koskenniemi auch als vorbereitende Lektüre angegeben hatte. Dass er jedoch keineswegs bei der Kritik stecken bleibt, zeigte sich in seinem Seminar, in dem er nochmals in aller Kürze seine intellektuelle und politische Agenda erläuterte: Auffassung der Menschenrechte als eine Sprache unter anderen; gegen „managerialism“; für „critical research“, der die Bedingungen wissenschaftlicher Interpretation mitreflektiert; Bedeutung der Geschichte, um sich der Kontingenz der aktuellen Situation bewusst zu werden. Anschließend war reihum jeder aufgefordert, den eigenen Standpunkt und mögliche alternative wissenschaftliche und politische Projekte/ Sprachen zum vorherrschenden Menschenrechtsdiskurs vorzustellen ...

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