Laudatio für Gertrude Lübbe-Wolff aus Anlass der Verleihung des Hegel-Preises am 24. Juli 2012 in Stuttgart

Von DIETER GRIMM

Einer der zahlreichen Vorträge von Gertrude Lübbe-Wolff beginnt folgendermaßen: „Herr Gerhardt hat mich eingeladen, etwas über die aktuelle Bedeutung von Hegels Rechtsphilosophie zu sagen. Nichts lieber als das. An der Aktualität der Hegelschen Rechtsphilosophie leide ich geradezu, und über das, woran man leidet, spricht man ja gern. Die Aktualität der Hegelschen Rechtsphilosophie zeigt sich mir darin, dass ich öfter an Hegel denken muss, als mir lieb ist. Ich muss so oft an ihn denken, weil in unserer öffentlichen Kultur das Hegelwidrige so präsent ist.“

Der Hegel-Preis wird zwar für Verdienste um die Entwicklung der Geisteswissenschaften vergeben, nicht speziell für die Pflege der Hegelschen Philosophie. Aber selbst wenn er enger definiert wäre – das will ich mit dem Zitat ausdrücken -, hätten wir in Gertrude Lübbe-Wolff eine würdige Preisträgerin. Hegel gehört zu den Referenzpersonen ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Bezugnahmen auf ihn ziehen sich durch die verschiedenen Stadien ihrer Forschung. Vier Aufsätze zwischen 1981 und 2009 erweisen sich schon im Titel als Auseinandersetzungen mit Hegel. Bei anderen begegnet man ihm im Text, und zwar nicht nur in den rechtsphilosophischen Abhandlungen der Autorin, sondern auch in den rechtsdogmatischen. In ihrer einflussreichen grundrechtsdogmatischen Habilitationsschrift ist Hegel zwar nicht der einzige zitierte Philosoph, aber als einziger kommt er ausführlich mit seinem Freiheitsverständnis zu Wort, weil neuere Variationen desselben Themas dem nichts mehr hinzugefügt hätten.

Die Neugier auf das Hegelwidrige, die ich möglicherweise mit dem Eingangszitat geweckt habe, will ich ungestillt lassen, um der Preisträgerin nicht vorzugreifen, falls sie darauf eingehen möchte, wie man unsere öffentliche Kultur mit Hilfe Hegels heben könnte ...

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