Magnetspulen-Entkalker: Werbung mit gesundheits- bzw. umweltfördernder Wirkung schnell unlauter

Geräte, die mittels Magnetfeld den Kalk in Wasserleitungen neutralisieren sollen, sind werberechtlich ein schwieriger Fall: Die Wirkung von Magnetismus auf Kalk ist in der Wissenschaft höchst umstritten, sodass ein zweifelsfreier Wirkungsnachweis derzeit nicht möglich sein dürfte. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade bei Werbeaussagen, die auf eine gesundheits- bzw. umweltfördernde Wirkung hinweisen, den Werbenden eine besondere Beweislast trifft (vgl. aktuell LG Stuttgart, Urt. v. 17.02.2012, Az. 31 O 47/11 KfH).

Magnetismus ist irgendwie zur ganzheitlichen Allzweckwaffe geworden: Je nach Hersteller und Verwendungszweck sollen elektromagnetische Wellen hervorragend gegen Rheuma, Schmerzen, Fettpölsterchen oder eben Kalk wirken. Im letzteren Fall sollen die Magnetwellen in die Kristallstruktur des Kalks eingreifen und diesen so „neutralisieren“, dass er entweder zerfällt oder sich zumindest nirgends mehr absetzt.

Soviel zur Theorie – in der Praxis leidet diese jedoch an empirischen Schwierigkeiten: Ein überzeugender Nachweis ist bis dato nicht gelungen. Das hält jedoch Hersteller und Anbieter nicht davon ab, die wundersame Wirksamkeit solcher Geräte (die augenscheinlich lediglich aus einem Trafo und zwei losen Drähten bestehen) in ihrer Werbung bzw. in Onlineshops hervorzuheben. Insbesondere soll die magnetische Entkalkung auch recht förderlich für Gesundheit und Umwelt sein, da weniger Kalk via Trinkwasser in den Körper gelangt und in Haushaltsgeräten weniger Reinigungsmittel und Entkalkungsmittel benutzt werden müssen.

Aktuelles Urteil

Eben diese Werbeversprechen wurden jetzt einem Händler vor dem Landgericht Stuttgart zum Verhängnis: Sowohl er selbst als auch der herbeizitierte Hersteller der Entkalkungsspule hielten vor Gericht zwar an ihren Behauptungen fest, konnten aber keine wissenschaftlichen Belege hierfür liefern ...

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