“Freie Anwaltswahl” – Ein Auslaufmodell?

Der Kollege Melchior verweist hier auf einen Bericht, wonach der BGH es Versicherern voraussichtlich untersagen werde, ihren Kunden Vergünstigungen dafür zu versprechen, den vom Versicherer empfohlenen Vertragsanwalt aufzusuchen. Das OLG Bamberg hat eine solche Vertragsabrede jedenfalls für unwirksam erklärt, wobei der Versicherer die Sache nun wohl zum BGH tragen wird. An der einen oder anderen Stelle ist über dieses Verfahren bereits berichtet worden.

Hintergrund solcher Anwaltsempfehlungen ist, daß der Versicherer mit den Vertragsanwälten häufig Sonderkonditionen vereinbart hat. Andererseits pflegen einige Versicherer hier auch ein durchaus reges Qualitätsmanagement, so daß durchaus Zweifel angebracht sind, ob man hier stets von “billigen” und damit schlechter qualifizierten Anwälten sprechen kann. Schließlich hat ein Versicherer nichts davon, wenn die empfohlenen Anwälte am laufenden Band Prozesse verlieren, um dem Versicherer letztlich teurer zu stehen zu kommen als andere Anwälte. Die Bedenken gegen eine schlechtere Qualifikation teile ich nicht.

Eher angebracht mag da die Frage sein, ob der Anwalt dann allein die Interessen seines Mandanten oder auch des Versicherers im Auge hat, da diese Interessen nicht zwingend deckungsgleich sind. Hier wird es vom Anwalt abhängen, wie ernst er seine Berufspflichten nimmt.

Ich hege indes erhebliche Zweifel, daß der BGH derartigen Vertragsgestaltungen tatsächlich ein Ende setzen wird ...

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