Wo muss Religion enden?

Die Beschneidungsdebatte wird auch am Wochenende unentwegt fortgesetzt. Ich habe bereits einmal meine formaljuristische Meinung zum Thema zu Protokoll gegeben, die natürlich auch mit der persönlichen Meinung durchsetzt ist. Was sage ich also klar zur Frage: Sollte die Beschneidung aus religiösen Gründen ohne medizinische Indikation in Deutschland erlaubt sein? Wenn Nein, bin ich dann ein antireligiöser Spinner, der alle Religionsausübung verbieten will? Nein, sollte sie nicht. Sie ist es nach der derzeitigen gesetzlichen Lage - wie es auch das LG Köln im Ergebnis richtig erkennt - nicht (das habe ich ja bereits dargestellt). Und ich sehe darin kein überaus großes Problem. Religionen sind keine von der gesellschaftlichen Entwicklung abgekoppelte Instanz, die sich nicht verändert. Die Religionsausübung selbst frommer Menschen hat sich in der Vergangenheit mehrfach geradezu ins Gegenteil verkehrt. Viele Juden sehen im Schabbat keine absolute Arbeitspause mehr. Selbst die Ultraorthodoxen versuchen sich durch allerlei Gerät (sehr verbreitet ist die Zeitschaltuhr, damit man den Lichtschalter nicht betätigen muss) ihrer doch irgendwie lästigen Pflicht zu entledigen. Ich muss dazu gestehen, dass mir Muslime im Allgemeinen religiöser und näher am Wortlaut ihrer heiligen Schrift orientiert vorkommen. Aber auch bei diesen gibt es sicher die ein oder andere noch vor hundert Jahren absolute Regel, die heute nicht mehr so eng gesehen wird. Insbesondere einige religiöse Vergehen, auf die eigentlich die Todesstrafe folgen sollte, werden von den mir bekannten Muslimen nicht mehr praktiziert - weil sie verständnisvolle und progressive Menschen sind, nicht weil das in Deutschland wohl zumindest einen Totschlag konstituieren würde. Und wie so oft gibt es natürlich 20 Meinungen dazu, was nun eine bestimmte Strafe nach islamischem Recht ausmachen solle ...Zum vollständigen Artikel


  • Streit um das Beschneidungsurteil – Ratio zwischen Recht und Religion

    sueddeutsche.de - 4 Leser - Viele Juden und Muslime empfinden es als Anmaßung, dass ein Gericht die Beschneidung von Kindern als Straftat bewertet. In einer Gesellschaft, in der die Rechte des Einzelnen einen so hohen Stellenwert haben wie in Deutschland, müssen sich aber alle dieser schwelenden Debatte stellen. Ein Plädoyer für eine sachliche und inhaltliche Auseinanderse...

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