Warum soll man Vernehmungen auf Tonträger aufnehmen, wenn man sich doch später so prima darüber streiten kann, was gesagt worden ist? Ein Pirat will lieber im Knast bleiben

Strafjustizgebäude des Hamburger Landgerichts

Heute fand der 94. Verhandlungstag im Hamburger Piratenprozess statt, also habe ich mich gestern Abend mal wieder auf den weiten Weg in die Hansestadt gemacht, um den absehbar kurzen Termin zu absolvieren. Die Vernehmung eines Beamten des Bundeskriminalamtes stand auf dem Programm, der sich im Wesentlichen zum Inhalt eines Gesprächs mit einem Journalisten äußern sollte, der zu den Hintergründen der Piraterie am Horn von Afrika recherchiert und in der Hauptverhandlung bereits mehrfach als Zeuge gehört wurde. Unter anderem hatte der Journalist in Indien zwei von einem Verteidiger benannte Zeugen interviewt, die zur Besatzung der Dhau gehört haben sollen, die als Mutterschiff bei der Kaperung des deutschen Frachters MS Taipan im April 2010 eingesetzt wurde. Die Vernehmung des BKA-Beamten war aus Sicht der Kammer erforderlich geworden, weil der Journalist einige ihm vom BKA zugeschriebene Äußerungen über den Inhalt des Interviews dementiert hatte. So soll der Journalist den BKA-Beamten gesagt haben, die Inder hätten angegeben, sie seien von den Somaliern „gequält“ worden und daran sei auch der angeklagte Jugendliche – also mein Mandant – beteiligt gewesen.

Der Journalist hatte energisch bestritten, dass ihm von „Quälereien“ berichtet worden sei, das habe er gegenüber dem BKA auch nie gesagt. Er habe lediglich auf eine allgemeine Drucksituation hingewiesen, die ihm berichtet worden sei. Auch sei nie über die Rolle des in Deutschland als Jugendlicher angesehenen Piraten gesprochen worden.

Ein anderer BKA-Beamter hatte tendenziell darauf bestanden, dass der Journalist sich entsprechend seinem Vermerk geäußert habe. Mich erstaunt das sehr, zumal wir inzwischen das von dem Journalisten in Bild und Ton aufgenommene Interview mit Hilfe eines Sprachsachverständigen in Augen- und Ohrenschein genommen haben, ohne dass sich dort entsprechende Äußerungen feststellen ließen ...

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