„Herr Verteidiger, merken sich mal endlich: Ich bin Haftrichter, nicht Ent-Haftrichter!“ – Schlusspunkt eines Lebens mit der Dienstpistole

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Mein Kollege Gerd Meister hat gestern im strafblog eine nette Anekdote über den früheren Richter Coenen veröffentlicht, die dem einen oder anderen Leser sicher ein Schmunzeln ins Gesicht getrieben haben dürfte. Ich selbst habe mit demselben Richter auch einige berichtenswerte Erlebnisse gehabt, die ich vielleicht einmal in Blogbeiträge umsetzen werde. Bei einem gedanklichen Streifzug durch meine frühen Anwaltserfahrungen ist mir dann aber der Haftrichter W. in den Sinn gekommen, an dem ich mich als Junganwalt ein Zeit lang abgearbeitet habe, bevor ich realisiert habe, dass die Praxis doch ziemlich anders ist als das, was wir Juristen so als hehre Grundsätze aus dem Studium und vielleicht noch aus dem Referendariat mit ins Berufsleben nehmen.

Zu Beginn meiner Verteidigertätigkeit in den 80er Jahren wusste ich noch nicht allzu viel über die apokryphen Haftgründe und ging voller Naivität davon aus, das bei profaner Kriminalität schon tatsächliche Anknüpfungstatsachen für Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr vorliegen müssten, um einen Haftbefehl zu erlassen. Den Haftgrund „Was für den Jungen das Beste ist“ kannte ich damals noch nicht, und ich dachte auch, dass Beugehaft zur Erlangung eines Geständnisses schlichtweg unzulässig sei. Ist sie ja auch, aber ein Geständnis hat halt bisweilen ungeheuerliche Auswirkungen auf die Straferwartung, und wenn diese sinkt, dann reduziert sich auch die (oft ohnehin nicht verhandene) Fluchtmotivation, so dass eine Haftverschonung möglich wird. Man muss sich halt nur dieser Erkenntnis beugen…

Richter W. war der erste Haftrichter, mit dem ich zu tun hatte, und was für einer!!! Deutschnational von seiner Gesinnung her, skurril in seinem Erscheinungsbild, weil er Sommers wie Winters immer Sandalen und graue Socken unter seinen Hochwasserhosen trug, ein graumelierter Dreitagebart und eine sonore Stimme, die schrecklich laut werden konnte, wenn er sich erregte ...

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