Strafzumessung beim Heranwachsenden: "Tat- und schuldangemessen" reicht dem BGH nicht

Es ist schon erstaunlich, wie leicht sich fehler in die Strafzumessungserwägungen von Tatrichtern einschleichen. Manchmal mag es freilich auch einfach an ungenauen Darstellungen im schriftlichen Urteil liegen. Hier jedenfalls mal ein "schönes" Beispiel einer Jugendkammer, die wohl bei der Strafzumessung der Jugendstrafe nicht den Erziehungsgedanken genutzt hat, sondern eher vom Tatunrecht geschrieben haben muss:

Die Überprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung hat zum Schuldspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (§ 349 Abs. 2 StPO). Der Schuldspruch ist allerdings dahingehend neu zu fassen, dass der Angeklagte wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung verurteilt ist. Das Landgericht hat wegen der Verwendung der beiden Schreck-schusspistolen und des Messers für die Drohungen zutreffend den Qualifikati-onstatbestand des § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB i.V.m. §§ 253 Abs. 1, 255 StGB als verwirklicht angesehen. Diese Qualifikation muss in der nach § 260 Abs. 4 Satz 1 StPO erforderlichen rechtlichen Bezeichnung der Straftat im Urteilstenor zum Ausdruck kommen (BGH NStZ 2010, 101). Dagegen hat der Strafausspruch keinen Bestand. Das Landgericht hat auf den zur Tatzeit 20 Jahre und fünf Monate alten Angeklagten gemäß § 105 Abs. 1 Nr. 1 JGG Jugendstrafrecht angewendet und wegen schädlicher Neigungen und Schwere der Schuld die Verhängung von Jugendstrafe für er-forderlich gehalten. Dies ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden ...

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