"Pi x Daumen"

Die gestrige Verhandlung war einmal mehr ein Paradebeispiel dafür, dass man auf keinen Fall ohne Verteidiger bei einer Strafverhandlung auftauchen sollte.

Angeklagt waren ein Baggerfahrer, der Polier und der Firmeninhaber wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Baugefährdung. Hintergrund war ein Arbeitsunfall im Zusammenhang mit dem Einbringen einer 500 kg schweren Verschalung in eine Baugrube. Hierbei soll ein Mitarbeiter erheblich verletzt worden sein. Zunächst beschuldigt wurde nur der Baggerfahrer. In der Akte findet sich eine Einstellungsverfügung nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage. Hierzu kam es dann nicht, weil der Anwalt des Verletzten sich meldete und gegen alle drei Strafantrag stellte. Plötzlich hält die StA auch "wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein einschreite von Amtswegen für geboten".

Das Problem, das allerdings für die Staatsanwaltschaft keines war: es gab überhaupt keinen Sachverhalt von dem man ausgehen konnte. Die einzige "Zeugenvernehmung" stammte vom mitangeklagten Polier. Abgesehen davon, das die auch nicht viel hergab, wurde natürlich auf die erforderlichen Belehrungen verzichtet. Das hinderte jedoch auch das Gericht nicht, Strafbefehle zu erlassen, die nur so vor Eventualitäten strotzten. Klare Marschroute also: Schweigen!

Als einziger Zeuge zum gestrigen Termin wurde einer der Polizeibeamten geladen, der als erster vor Ort war. Der berichtete, er habe sich "ein wenig umgehört" und dann einen Sachverhalt als vorläufig plausibel angenommen. Er bestätigte, dass das, was im Strafbefehl stand, auch seine erste "Arbeitshypothese" gewesen sei. Ob diese sich im Laufe der Ermittlungen bestätigt habe, könne er nicht sagen. Eigene Erkenntnisse was passiert sei oder wer wo am arbeiten war, habe er nicht. Also nach wie vor kein Sachverhalt ...

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