Gute Zeugnisse diskriminieren manchmal ziemlich hart

Es wäre an der Zeit, sich als Arbeitgeber ganz tief in eine Erdhöhle zu verkriechen. Vor allem, wenn es um Diskriminierungen geht. Da jagt die Rechtsprechung ja sogar ausgewachsenen Strafverteidiger wie Carsten Hoenig eine Gänsehaut auf den Rücken.

Ja, und ich gebe zu: ich bin notorisch ungenau. Weil Ende Juni so viel los war, habe ich die Pressemitteilung des BAG zum Urteil vom 21. Juni 2012 – 8 AZR 364/11 einfach unter „noch’n Diskriminierungsfall“ abgehakt. Ein Fehler! Sie können hier noch mehr Gänsehaut bekommen! Vor allem verbindet der Fall zwei Lieblingsthemen aller Arbeitgeber:

Ethnische Diskriminierung, die nicht immer mit der Sprache zusammenhängt, auch nicht mit Ost und West, oder gar Ossis, aber auch in – nach eigener Beschreibung – Unternehmen vorkommt, die sich als „Scheiß-Laden“ bezeichnen (und damit vielleicht richtig liegen). Zeugnisse, in denen man bloß kein Glück wünschen darf, deren Abfassen auf Klopapier nur in Österreich üblich, aber auch nicht zulässig ist, die man aber auch fälschen darf, wenn man Arbeitnehmer ist, denen meist Geheimformeln und Verschwörungen zugrunde liegen, die aber auch mal Knast bedeuten können.

Was soll ich mehr sagen?

Also:

Die türkischstämmige A. arbeitet bei einer Stadtverwaltung, wo erkennbar alle anderen nicht türkischstämmig sind. Sie arbeitete mit einem befristeten Vertrag. Als sie sich auf eine unbefristete Stelle bewirbt, wird sie nicht genommen. Sie findet das diskriminierend und klagt.

Das LAG Rheinland-Pfalz (Urteil vom 25.03.2011 – 9 Sa 678/10) gibt ihr letztes Jahr schließlich Recht – und spricht eine Entschädigung aus. Das Bundesarbeitsgericht hat das Urteil jetzt zwar aufgehoben, aber nur wegen Begründungsmängeln. Der Fall ist damit also nicht zu Ende, er geht nur in die Verlängerung. Aber worin, meinen Sie, könnte die Diskriminierung denn liegen?

Sie liegt im Arbeitszeugnis, wenn überhaupt.

Ah, denken Sie jetzt ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK