Sind Uniformierte die besseren Zeugen?

Soldaten in Uniform, hier: Generäle. Foto: SSGT PATRICIA BUNTING, USAF

Es ist schon sonderbar, wie sich das Gedächtnis mancher Staatsdiener im Laufe eines Verfahrens zu Ungunsten eines Angeklagten “verbessern” kann. Als Strafverteidiger erleben wir es nicht ganz selten, dass die Detailerinnerung und damit auch die Belastungstendenz von Polizeizeugen bis zur Hauptverahndlung zunimmt und sich plötzlich Aussagekorrekturen ergeben, die normalpsychologisch nicht unbedingt nachvollziehbar sind und die bei Entlastungszeugen für großen Unmut bei Gericht sorgen würden. In einem heutigen Verfahren vor dem Dürener Amtsgericht waren es keine Polizeizeugen, die plötzlich einiges mehr wussten als zu früheren Zeitpunkten, sondern andere Uniformierte, nämlich Berufssoldaten. Zwei davon hatten im vergangenen Dezember auf dem Weg zu ihrer Kaserne vor sich ein Cabrio fahren sehen, das sie meinem Mandanten, einem einfachen Stabsgefreiten, zuordnen konnten. Weil sie wussten, dass dem Mann vor einiger Zeit die Fahrerlaubnis entzogen worden war und weil das Cabrio sich ohnehin in Richtung Kaserne bewegten, fuhren sie hinterher. Kurz vor Erreichen der Kaserne bog das Cabrio nach links ab. Einer der beiden Soldaten gab später im Rahmen einer förmlichen Vernehmung im Disziplinarverfahren gegen meinen Mandanten an, im Abbiegevorgang habe er “geglaubt”, den jetzigen Angeklagten als Fahrer erkannt zu haben. Der andere Soldat, sein “Spieß”, hatte zu Protokoll gegeben, er und sein Beifahrer seien nach dem Abbiegevorgang in den Fliegerhorst gefahren, “da wir den Fahrer nicht direkt erkennen konnten”.

In der Hauptverhandlung hörte sich das heute morgen so an: Der eine Soldat gab an, er habe den Angeklagten im Abbiegevorgang deutlich erkennen können. Er kenne den schon lange, da gebe es keine Zweifel. Befragt, warum er damals angegeben habe, er habe “geglaubt”, den Fahrer erkannt zu haben, meinte er, das habe er in seiner zweiten Vernehung richtig gestellt ...

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