Zombie-Referendare

Vor ein paar Jahren war ich in einer Betrugssache beim Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer.

Mein Mandant hatte auf mein Anraten hin im Vorfeld der Hauptverhandlung durch mich ein Geständnis abgelegt und auf Zeugen verzichtet. Er räumte ein, dem Mittäter bei einem Betrug zu Lasten der Bundesagentur für Arbeit geholfen zu haben. Dies habe er aus reiner Freundschaft getan. Keinesfalls habe er sich mit dem” Mittäter” die Betrugssumme geteilt. Das Gegenteil konnte ihm nicht bewiesen werden, und darauf kommt es bei der Verteidigung an.

Der Mittäter war zuvor – obwohl nicht vorbestraft – von einem anderen Strafrichter des AG Gelsenkirchen-Buer zu einer Bewährungsstrafe von 8 Monaten verurteilt worden, die Messlatte für unseren Fall lag also hoch.

In meinem „opening-statement“ kritisierte ich diese Messlatte, verwies auf den Gesamtschaden von gerade mal 2.000 € und fragte, was für eine Strafe das Amtsgericht denn im Falle eines Zumwinkel oder Schneider für angemessen hielte. Die Todesstrafe sei schließlich abgeschafft. Es gebe zwar keine Strafensymmetrie, wohl aber die Notwendigkeit, die Kirche im Dorf zu lassen. Begleitet vom anbiedernden Nicken des staatsanwaltlichen Musterknaben-Referendars äußerte der durchaus sympathische Amtsrichter sinngemäß: “Ich weiß, dass es bei euch im Rheinland anders zugeht. Bei Schädigung der öffentlichen Hand – und überhaupt – verstehen wir hier keinen Spaß. Sie sollten mal sehen, wie sich die Gladbacher Fußball-Rowdys über unsere Urteile wundern, wenn Sie hier auf Schalke randalieren.”

Noch während ich über die besondere Schutzwürdigkeit der öffentlichen Hand und die Schlüssigkeit der Aussage nachdachte, nahm ich wieder dieses dämliche Kopfnicken des Referendar-Staatsanwalts wahr und fragte mich, woher diese Typen plötzlich herrekrutiert werden ...

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