Eine Staatsanwältin wird gemobbt

Das ist das Schöne am Internet: Jeder kann auch ohne nähere Informationen zu jedem Thema seinen Senf geben – so wie richtige Journalisten. Und so juckt es mir in den Fingern auch mal anständig zu senfen.

Eines ist klar: Kam man erstmals als Verteidiger mit Frau Staatsanwältin Lichtinghagen in Berührung, musste man sie hassen, und so ging es auch mir und meinem Sozietätskollegen Rainer Pohlen, als wir sie vor einigen Jahren im Rahmen eines spektakulären, bundesweiten Produktpiraterieverfahrens kennenlernten. Sie wirkte schroff, entschieden und knallhart und war verdammt gut vorbereitet. Eine Frau, die unseren Charmeoffensiven zur sofortigen Befreiung unserer Mandanten aus der U-Haft die kalte Schulter zeigte – und so etwas mögen Verteidiger bekanntlich gar nicht. Aber viel Feind, viel Ehr – und diese Ehre möchte ich der Staatsanwältin mit meinem kleinen Artikel gewähren und zwar völlig unabhängig davon, ob an den gegen sie erhobenen Vorwürfen, sie habe sich „mediengeil“ ins Rampenlicht geworfen und ausgehandelte Bußgelder ohne Kenntnis ihrer Vorgesetzten an ihr persönlich am Herzen gelegene, gemeinnützige Empfänger weitergeleitet, irgendetwas dran war oder nicht.

In unserem Verfahren stellte sie sich als ausgesprochen faire, konstruktive und kompetente “Gegnerin” dar, die – und das kann man beileibe nicht von jedem Staatsanwalt (gilt natürlich auch für Anwälte) sagen – auch zuhören konnte und vernünftigen (also meinen – haha) Argumenten durchaus zugänglich war. Ich erinnere mich an ihr Büro, in das sie uns seinerzeit zur Besprechung des Falles eingeladen hatte. Ein kleines, vergilbtes Zimmer, vollgestopft mit nicht mal mehr sperrmülltauglichen Möbeln aus den 60igern, einer pfeifenden Klimaanlage, die mich schon nach 5 Minuten zum Wahnsinn trieb und Aktenbergen zwischen denen sie agil und voller Tatendrang hin und her huschte, um noch das eine oder andere Protokoll herauszusuchen ...

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