Die Idee mit dem Beschneidungsverbot

“Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.” Die neueste Idee, auf die dies zuzutreffen scheint, ist, daß die medizinisch nicht indizierte Beschneidung von Jungen eine strafbare Körperverletzung sei. Jahrhundertelang wußte man es nicht, aber das Landgericht Köln hat es nun herausgefunden (LG Köln, Urteil vom 7. Mai 2012 – 151 Ns 169/11). Man war ja so ahnungslos.

Die Beschneidung ist ein fester, identitätsstiftender Bestandteil des Islams und des Judentums. Da das Judentum bis 1933 ein fester Bestandteil Deutschlands war, “gehörte” die Beschneidung zu Deutschland. Weder für das damals geltende Reichsstrafgesetzbuch (das mit dem heutigen StGB identisch ist) noch für seine Vorgängergesetze in den deutschen Staaten ist jemand auf die Idee gekommen, eine Beschneidung könnte eine strafbare Handlung sein. Die Nationalsozialisten ihrerseits haben eine besondere Genugtuung darin gefunden, mit einer Kaskade von gesetzgeberischen Diskriminierungsmaßnahmen über die Jahre hin den Juden in Deutschland das Leben zur Hölle zu machen. Aber nicht einmal ihnen ist es eingefallen, die Beschneidung als Körperverletzung zu verfolgen (obwohl die Möglichkeit mit Händen greifbar war). Dies war dem LG Köln im Jahre 2012 vorbehalten.

Daß die Idee stark ist, zeigt sich gar nicht einmal so sehr darin, daß sie es geschafft hat, Grundlage eines Gerichtsurteils zu werden. Es gibt so viele Richter und Gerichte, daß es fast eine Frage der statistischen Gleichverteilung ist, bis jede Idee – schwache oder starke – einmal dran ist. Es ist vielmehr die überwältigende öffentliche Resonanz – pro und contra -, die keinen Zweifel daran läßt, daß es hier um mehr geht als um eine x-beliebige Auslegungsfrage ...

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