Wer nicht sehen will, muss fühlen. Eine Kritik der Rede vom multisensorischen Recht (Teil X)

von Klaus F. Röhl

(Fortsetzung des Beitrags vom 22. Mai 2012).
Querschnittsthemen
Querschnittsthemen sind solche, die von vielen Seiten beobachtet werden, vor dem Recht, auf der Objektebene des Rechts und auf der operativen Ebene des Rechts und nicht zuletzt in den Kulturwissenschaften. Einige kann ich nur noch benennen, nämlich
– Die rechtliche Formierung des Körpers und der Sinne
– Rechtsgefühl und Rechtsbewusstsein
– Performativität
Kurz behandeln will ich zwei weitere, nämlich Musik sowie Sinnlichkeit und Leiblichkeit des Rechts. Heute nur zur Musik.
In der Diskussion zum MSR wird Musik nur am Rande berührt. Thematisiert wird die Musikunterlegung zu den Victim-Impact-Videos, und hingewiesen wird auf Versuche der Verhaltenslenkung durch Musik. Im Dezember 2008 war ich in Hamburg zu einem Vortrag – natürlich über die Visualisierung in der Juristenausbildung. Im Anschluss fand eine Weihnachtsfeier statt. Ab 21 Uhr begann man Karaoke zu singen, eine Übung, die in der Fakultät eine gewisse Tradition zu haben scheint. Die Stimmung war blendend. Ich startete eine kleine Adhoc-Umfrage nach Rechtsmusik, Lawsongs oder Lawrap. Die Frage erwies sich als erklärungsbedürftig und förderte nur die Antwort zutage, ich möge mich doch bei Bob Dylan oder Johnny Cash umsehen.
Meine Frage war ernster gemeint, als sie verstanden wurde. In meinem Vortrag hatte ich auf neue Lawvideos hingewiesen, die, natürlich, möchte man sagen, mit Musik unterlegt sind. Könnte das der Einstieg in die Rechtskommunikation mit Musik sein? Zu Hause habe ich mich dann sofort hingesetzt und einen Eintrag für mein Blog »Recht anschaulich« geschrieben.1 In der Rechtsphilosophievorlesung hatte ich regelmäßig eine Doppelstunde dem Thema »Von Kallikles zu Nietzsche« gewidmet ...

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