Zweierlei Staatsoberhaupt

Zwei Ereignisse, der Staatsbesuch des Bundespräsidenten in Israel und das Thronjubiläum der Königin von England, geben Anlass über die Funktion von Staatsoberhäuptern nachzudenken, einer Funktion, die ja nicht selten (zumal angesichts hiesiger präsidialer Malaisen) in Frage gestellt wird. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Nicht nur können Staatsoberhäupter auch heute noch eine Funktion erfüllen, sie können auch ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen – und gerade letztere, nur historisch oder vergleichend zu gewinnende Einsicht sollte uns vor zu allgemeinen Thesen über die Nutzlosigkeit dieses oder anderer Ämter warnen.

Das Thronjubiläum bot dem Vereinigten Königreich die Gelegenheit, sich als Nation in einem großen klassenlosen allgemeinen Fest zu sammeln. Das gelang natürlich wegen der besonderen Ausstrahlung der Gefeierten unter den Bedingungen einer alten konstitutionellen Monarchie, aber dies allein reicht nicht hin, um das freudige Ereignis zu erklären. Hinzutreten musste auch die Bereitschaft der “Subjects” , sich auf ein solches Ereignis einzulassen. Charakterisisch scheint mir, dass es in dieser Feier nicht darum ging, was die Briten “wirklich” verband, dies ist in der homogenitäts- und konsensfixierten deutschen Tradition die oft gestellte falsche Frage – es ging vielmehr darum, was sie nicht trennt. Es ging um die Bereitschaft, Unterschiede hintanzustellen, um unter einem Symbol zu feiern. Genau das bleibt die Errungenschaft des demokratischen Nationalstaats, eine Ebene der Nicht-Unterschiedlichkeit zu stiften, ohne Unterschiede totalitär aufheben zu wollen ...

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