Der Anwalt als Zeuge seines eigenen Mandanten: die Auflösung zur Testfrage

Die hier von meinem Kollegen aufgeworfene Frage, ob sich ein Anwalt selbst als Zeuge für seinen Mandanten benennen darf, schoss bei Jurablogs innerhalb von drei Stunden in die Top3-Meldungen. Das Thema scheint also zu interessieren. Hier die Antwort: Ja, er darf. Das ist zum einen Literaturmeinung: Im Zöller ZPO-Kommentar findet man dazu unter § 373 Rd. 5 den lapidaren Hinweis: “Also ist als Zeuge zu vernehmen … der Prozessbevollmächtigte, auch unter Fortdauer dieser Eigenschaft.” Zum anderen ist es auch vom BGH längst eindeutig entschieden, etwa per Beschluss vom 8. 5. 2007 – VI ZB 80/06; LG Dresden. Viele Anwälte denken aber nicht daran oder halten es für verboten. Übrigens hat sich auch der Anwalt im genanntem BGH-Fall nicht als Zeuge benannt, sondern hatte – unnötig verschwurbelt – angeboten, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben (es ging darum, ob er seinen Schriftsatz rechtzeitig in den Nachtbriefkasten eingeworfen hatte). Das hatte dem LG Dresden nicht gereicht. Der BGH meinte daraufhin – einigermaßen grob gegenüber den Richtern des LG Dresden – der Vorsitzende hätte den Anwalt darauf hinweisen müssen, dass dieser sich selbst als Zeuge anbietet.

Die Folgefrage, ob in dieser Konstellation der Mandant dann bei Verhandlungen einen zweiten Anwalt mitbringen muss, hat das Zöller-Zitat oben bereits mitbeantwortet ...

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