Verschiedene Fehler, gleiches Verschulden?

Der Kläger wollte direkt hinter einem Bahnübergang links zu einem Parkplatz abbiegen und fuhr dazu im Bereich eines Bahnübergangs über die durchgezogene Mittellinie. Dabei kam es zu einer Kollision mit dem Wagen des Beklagten, der von hinten herankam. Er fuhr auf der linken Fahrbahn und hatte gerade verbotswidrig einen anderen Wagen überholt. Es entstand Sachschaden, den der Kläger gerichtlich geltend machte.

Das Urteil: 50/50

Das Landgericht Magdeburg (Urteil vom 6. Oktober 2011, Az. 10 O 1030/11) verteilte die Haftungsquoten 50:50, so dass jeder Beteiligte die Hälfte seines Schadens selbst tragen musste. Der Kläger, so wird das Landgericht wiedergegeben, hätte die durchgezogene Mittellinie nicht überfahren dürfen. Zudem hätte er sich beim Abbiegen so verhalten müssen, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen war. Auf der anderen Seite hätte der Beklagte sich dem Bahnübergang nur mit mäßiger Geschwindigkeit näheren und nicht überholen dürfen.

Der Kläger habe zunächst Berufung eingelegt, diese nach einem Hinweis auf die Aussichtslosigkeit aber zurückgenommen, wird weiter berichtet.

Da fehlt doch ‘was

So ganz einleuchten tut das auf Anhieb nicht. Der Volltext der Entscheidung scheint leider nicht vorzuliegen. Ging das Gericht aber tatsächlich von einem “Abbiegen in ein Grundstück” (§ 9 Abs. 5 StVO) aus und hätte der Abbieger demnach “jede Gefährdung anderer ausschließen müssen”, spricht das eigentlich für eine ganz überwiegende Haftung des Klägers. Denn soweit erkennbar hatte der Beklagte “nur” gegen das Gebot einer “mäßigen” Geschwindigkeit und das Überholverbot nach § 19 Abs. 1 StVO verstoßen ...

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